Bedeutung, weil die internationalen Zahlungsverhältnisse Deutsch-lands in der Regel eine Goldeinfuhr nicht begünstigten. Wenntrotzdem Gold nach Deutschland kam — in den letzten Iahren vordem Kriege nahezu 200 Mill. Mark jährlich, wovon allerdings eingroßer Teil Industriebedarf abzuziehen ist —, so mußte es ebengekauft und mit anderen Waren oder Effekten bezahlt werden.
Nach dem Kriege wird, selbst wenn der Wirtschaftskrieg, denuns unsere Gegner als getreue Vasallen Englands ankündigen,nicht in dem erwarteten Maße zur Durchführung gelangt, derAußenhandel Deutschlands ebenfalls kaum die Goldeinfuhr be-günstigen. Es müßte denn sein, daß andere Länder eher als wirdie Entbehrlichkeit der Golddeckung erkennen und uns ihren Gold-Überfluß selbst zu geringeren Preisen zuzuschieben suchen. Dagegenmüssen wir uns aber unter allen Amständen wehren. Von freierGoldprägung kann daher in Deutschland und den ihm wirtschaft-lich verbündeten Staaten nach dem Kriege auf keinen Fall dieRede sein. Das müßte allen maßgebenden Kreisen als eineSelbstverständlichkeit erscheinen.
Die Golddevisenwährung wird wohl der Währungs-zustand sein, den wir und unsere Verbündeten nach dem Kriegezunächst haben werden. Wenn die anderen Länder, insbesonderedie neutralen Staaten, noch die Geschäfte Englands und derübrigen Goldproduktionsstaaten weiter besorgen wollen, ist dasihre Sache. Wir dagegen dürfen unter keinen Amständen unsweiter Gold aufschwätzen lassen. Im Gegenteil sei nochmals be-tont: man fürchte nicht, Gold abzugeben; man suche nichtdurch hohen Diskont künstlich Guthaben aus dem Auslande heran-zuziehen, die wir hoch verzinsen müssen. Man lasse vor allemauch nicht Effekten, Kriegsanleihen u. dgl. zur Bezahlung vonForderungen ins Ausland gehen, die eine einmalige Verschuldungzu einer dauernden machen. Gold sei für uns ein Exportartikelwie jede andere Ware, die wir abgeben, wenn das Ausland, aufGrund falscher ökonomischer Theorien, sie uns lieber abnimmt.Nur zögern wir nicht zu lange mit dem Abgeben; denn dieWare Gold wird voraussichtlich nach dem Kriege weiter an Wertverlieren.
Ich bin davon überzeugt, daß wegen seiner Anwirtschaftlichkeit noch im Laufe dieses Jahrhunderts das Gold seine Rolle alsinternationales Zahlungsmittel und vor allem als Grundlage des
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