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Geld und Gold : ökonomische Theorie des Geldes / von Robert Liefmann
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überhaupt zu den Problemen der Geldpolitik, die jetzt und nachdem Kriege zu lösen sind, nicht entscheidend Stellung nehmen.Das Ergebnis, zu dem man gelangt, kann aber bei ruhiger Äber-legung nicht zweifelhaft sein, wenn man sich nur immer klarmacht, daß der Preis nie ein Ausdruck eines Wertes ist unddaß es einen allgemeinen, absoluten oder internationalen Wertdes Goldes ebensowenig gibt wie bei allen anderen Gütern.

Die freie Prägung wirkt höchstens darauf, wieviel Goldnach Deutschland kommt, nicht aber darauf, was man dafürkaufen kann. Vielmehr bestimmen die Bedürfnisse und dasAngebot, also die Preisverhältnisse in Deutschland , sowohl wasan allen anderen Waren aus- und eingeführt werden kann, alsauch was an Gold aus- und eingeführt werden kann. EineEinwirkung der ausländischen Volkswirtschaften auf die deutschefindet also auch bei freier Prägung nur durch die Warenstatt. Aber, was die metallistischen Theorien nie erkannten, dasEdelmetall gehört bei den metallischen Währungen auch mit zuden Waren. Daß sein Preis in der allgemeinen Rechnungseinheit des einzelnen Landes fest bestimmt ist, ändert daran nichts.Immer wieder muß betont werden, nicht das Geld, sondern dieEinkommen kaufen die Güter. Durch die Aufhebung derfreien Prägung wird kein Land in seiner Teilnahme am inter-nationalen Warenverkehr irgendwie gehindert. Man ist ja auchnicht gehindert, im Gegenteil, solange wir noch den großen Geld-vorrat haben und einen kleinen können wir uns immer übrigbehalten, wird es sogar empfohlen, den Ländern, die Goldüber alles schätzen, solches auszufolgen. Diese Vorliebe wird beiwachsender Einsicht in das Geldwesen aber schon bald nachlassen.Die Aufhebung der freien Prägung soll nur verhindern, daß,wie bisher, die Goldzufuhr nach Deutschland in das Beliebender Goldproduktionsländer, also unserer wirtschaftlichenGegner gestellt ist, die uns mit 'unnützem Gold statt brauchbarerWaren überschwemmen können. Wir wollen verhindern, daßEngland und Amerika uns ihr überschüssiges Gold etwa gegengute deutsche Anleihen zuschieben. Die Gefahr ist leider nichtvon der Äand zu weisen, daß, wie Bendixen (a. a. O., S. 56)mit Recht sagt:Die Engländer hoffen, daß ... der Deutsche sichwieder an die englische goldene Kette werde legen lassen."Andin der Tat meint er ist bei der Rückständigkeit, die heute

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