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DAS ABGELEHNTE BEGRÄBNIS IM DOM
natürlich der Trauerfeier in Friedrichsruh beiwohnen. Er legte besonderesGewicht darauf, daß der Fürst im Berliner Dom in einem vom Kaiser zustiftenden und von Reinhold Begas auszuführenden Sarkophag beigesetztwerden sollte. Seine Erregung wurde durch die Kaiserin, seine Gemahlin,erhöht, die bei aller Güte ihres Herzens und allem Pflichtgefühl demgroßen preußischen Ministerpräsidenten nie die „Entthronung", wie sie esnannte, ihres Vaters verziehen hatte und dem Heimgang des Fürsten Bis-marck kühl gegenüberstand. Dazu kam, daß der Bruder der Kaiserin, derHerzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein , gerade in diesen Tagen,wo Fürst Bismarck starb, sich mit der Prinzessin Dorothea von Sachsen -Koburg vermählen wollte. Die Kaiserin wünschte lebhaft, daß der Kaiserbei der Mittagstafel auf der „Hohenzollern " am l.August, wo die Vermählungin Koburg stattfinden sollte, einen Toast auf ihren Bruder ausbringen möge.Der Kaiser lehnte diesen Vorschlag nicht ohne Heftigkeit ab und nötigteIhre Majestät, die noch nicht Trauer für den Fürsten Bismarck angelegthatte, dies sofort zu tun. Er hielt ihr bei diesem Anlaß eine längere Straf-predigt, in der er mit einem Nachdruck, den man gerade von ihm kaumerwartet hätte, die Kaiserin, vor uns allen, darauf aufmerksam machte,daß alles, was wie Mangel an Bewunderung oder gar an Pietät für denFürsten Bismarck aussehe, vom deutschen Volk nicht verziehen würde.
Am 2. August trafen der Kaiser und die Kaiserin mit ihrem Gefolge inFriedrichsruh ein. Graf, jetzt Fürst Herbert Bismarck empfing die Maje-stäten am Bahnhof. Der Kaiser umarmte den Fürsten und küßte ihn drei-mal auf beide Wangen, wie dies bei feierlichen Anlässen Souveräne untersich zu tun pflegen. Dann kam er auf seinen Wunsch zu sprechen, denFürsten Bismarck im Berliner Dom beizusetzen. Dort, wo eine größereAnzahl von Hohenzollern ruhten, sollte dem Fürsten von Reinhold Begas ein „herriicher" Sarkophag errichtet werden, den Wilhelm II. in hastigen,sich überstürzenden Worten schilderte, die auf starke innere Erregung,auf Befangenheit, auf Verlegenheit deuteten. Herbert Bismarck lehnte ent-schieden, beinahe schroff ab. Seine Antwort ergriff und rührte mich. Mansah ihm den tiefen, leidenschaftlichen Schmerz um seinen von ihm geliebten,bewunderten, vergötterten Vater an. Aber aus seinen Augen sprach auchmännlicher Stolz, sprachen Tapferkeit und Trotz. So mag Hagen vonTronje vor Kriemhilde gestanden haben:
Du hast ez nach dem willen zeinem ende bräht,Und ist ouch rehte ergangen, als ich mir hete gedäht,Nu ist von Burgonden, der edel künic tot.....
Jedes Wort betonend, führte Herbert aus, daß er sich an die letzt-willigen Verfügungen seines Vaters halten müsse, der auf einem kleinen