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Hügel gegenüber dem Friedrichsruher Herrenhaus beigesetzt werden wolle.Der Kaiser schien verstimmt, insistierte aber nicht weiter. Bei einem spä-teren Zusammensein erzählte mir Herbert, sein Vater habe die Stelle fürseine Grabstätte selbst ausgesucht. Darauf hingewiesen, daß sie unmittelbarneben dem Eisenbahngleise hegen würde, habe sein Vater geantwortet:„Desto besser! Dann ist doch noch Bewegung um mich." Schräg gegen-über der Grabstätte des Fürsten Bismarck steht die Bronzegruppe, dieeinen Hirsch im Kampfe mit Hunden darstellt. Sie war dem Fürsten vonsüddeutschen Verehrern geschenkt worden. Gern hatte er sie betrachtetund bezog sie auf seine langen und bitteren Kämpfe mit den Feindeneines starken Preußens und eines monarchischen, mächtigen und großenDeutschlands. Das Mausoleum, in dem Fürst Bismarck jetzt ausruht vonso vielen und heldenhaften Kämpfen, ist eine Nachbildung des Mausoleumsdes Theoderich bei Ravenna, der für mich erhabensten aller Begräbnis-stätten der Erde in ihrer monumentalen Einfachheit und strengen Größe,in ihrer Einsamkeit und weitabgewandten Stille. Die Trauerfeier, schlichtund würdig, war einer der unvergeßlichsten Augenblicke meines Lebens.Als der Geistliche seine kurze, ganz auf die christliche Note gestimmte An-sprache in dem Saale beendigt hatte, wo der geschlossene Sarg stand, be-trat ich, von Herbert geführt, allein mit ihm das Schlafzimmer des Für-sten . In diesem einfachen Zimmer, wohl dem bescheidensten Zimmer indem ganzen bescheidenen Hause, hing nur ein Bild, ein schlichter Holz-schnitt, gerade dem Sterbebett gegenüber, in dem Bismarck seine großeSeele ausgehaucht hatte. Es war das Bild von Ludwig Uhland , das Bild desDichters, der 1849 in der Frankfurter Paulskirche gesagt hatte, es werdekein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem reichlichenTropfen demokratischen Öls gesalbt wäre. Und unerschütterlich wurde inmir die Überzeugung gefestigt, daß nur die Verbindung altpreußisch-kon-servativer Tatkraft und Zucht mit deutschem weitherzigem und liberalemGeist die Zukunft der Nation glücklich gestalten könne.
Bei der Trauerfeier sah ich zum ersten Male seit Jahren die einzigeSchwester des Fürsten, Malwine von Arnim-Kröchlendorff , wieder. Sie Bismarcksstand damals im siebzigsten Lebensjahr. Sie hatte ihren Bruder schon als SchwesterStudenten, als Referendar, als Gutsbesitzer und Deichhauptmann, alseinen für mindestens exzentrisch geltenden Abgeordneten der äußerstenRechten gekannt. Sie selbst erinnerte von den drei Geschwistern ammeisten an die korrekte, nüchterne, eher kalte Mutter. Sie wird sich sehrgefreut haben, als der Wildfang Otto Bundestagsgesandter wurde. Siewar gewiß ganz mit seiner Tätigkeit als Gesandter in dem vornehmen Peters-burg, in dem eleganten Paris einverstanden. Und dann erlebte sie, daß derBruder, der „tolle Bismarck", an das Steuerruder des brandenburg-