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VORWÄRTS!"
preußischen Staats gestellt wurde, dem sein und ihr Haus seit vielen Jahr-hunderten dienten, an dem sie, eine Alt- und Urmärkerin von Geburt unddurch ihre Heirat mit einem Arnim, mit allen Fasern hing. Alardus de Arnimerscheint schon um 1204 in der Mark, Klaus von Bismarck wurde 1345 mitBurgstall in der Altmark belehnt. Das Arnimsche Stammhaus liegt zwi-schen Stendal und Arneberg, das Städtchen Bismarck nahe bei Stendal .Malwine von Arnim stand wie ihre Schwägerin Johanna von Bismarck und wie meine mit beiden herzlich befreundete Mutter in tiefinnerbcherFrömmigkeit auf dem Boden streng positiven, altvaterischen Luthertums.Als ich mich nach dem Ende der Trauerfeier bei ihr verabschiedete, wiessie nach oben. Dann mit fester Stimme: „Mit Paulus halte ich dafür, daßdieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert ist, die an uns soll geoffen-baret werden." Der Geistliche, der die Trauerrede gehalten hatte, erzähltemir, daß er dem Fürsten vierundzwanzig Stunden vor seinem Heimgangauf dessen Wunsch das heilige Abendmahl gereicht habe. Schon umschweb-ten ihn die Schatten des Todes. Als er den Kelch an die Lippen setzte,stellten sich Schlingbeschwerden ein. „Vorwärts!" rief mit brechenderStimme der Sterbende und trank aus dem heiligen Kelch. Malwine vonArnim, die ihren Bruder als unpopulären, gehaßten, gegen die ungeheuerstenSchwierigkeiten kämpfenden Minister, dann als den großen Preußen undSieger von 1866, als den Wiedererrichter des Deutschen Reichs, als denmächtigsten Mann in Deutschland und in Europa erlebt, die auch seinenSturz gesehen hatte, stand jetzt an seinem Sarge, gerade, aufrecht. Sieweinte nicht. Neben ihr schluchzte der treue Pinnow, seit vierundzwanzigJahren Diener des Fürsten Bismarck , der sich weniger durch Eleganz alsdurch unbedingte Zuverlässigkeit auszeichnete, der gar nicht an einenenglischen Butler oder an einen französischen Maitre d'hotel erinnerte,aber um so fröhlicher in Friedrichsruh, in Varzin und in Berbn in gutenTagen bei Mittag- und Abendessen alten Rotspon und edlen Rheinweinherangeschleppt und eingegossen hatte. Infolge einer Anregung von HerbertBismarck habe ich Pinnow nach dem Tode seines Herrn als Portier imSchlosse Bellevue untergebracht. Ich weiß nicht, ob Pinnow noch langegenug gelebt hat, um unseren entsetzlichen Zusammenbruch zu erleben.Sollte er noch im letzten Jahre vor unserem Niederbruch seines Amtes imSchloß Bellevue gewaltet haben, wo damals Kaiser Wilhelm II. mit Vor-liebe Ministerberatungen abhielt und Audienzen erteilte, so konnte derwackere Pinnow Betrachtungen anstellen über die Richtigkeit jener tief-sinnigen Warnung seines einstigen großen Gebieters, der gesagt hatte, daßdie Revision der Geschichte noch unerbittlicher wäre als die der Potsdamer Oberrechnungskammer.
Unmittelbar nach dem Heimgang des Fürsten Bismarck veröffentlichte