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SERENISSIMUS
Wied: „Hocherfreut über die gute Kunde von der glücklichen Erwerbungder beiden Samoa-Inseln Upolo und Savaii für Deutschland kann der heutehier versammelte Kolonialrat nicht unterlassen, Eure Exzellenz als denbewährten Leiter der auswärtigen Reichspolitik für diesen glänzendenkolonialpolitischen Erfolg, der sich zugleich als eine echt volkstümlicheTat darstellt, auf das wärmste zu beglückwünschen. Eure Exzellenz wollengestatten, daß der Kolonialrat angesichts der überaus großen Schwierig-keiten, welche die deutsche Diplomatie bei der Durchführung der Er-werbung der Samoa-Inseln zu überwinden hatte, von neuem versichert,daß Eure Exzellenz das volle und ungeteilte Vertrauen aller kolonialenKreise unseres Vaterlandes besitzen." Der Großherzog Karl Alexander vonWeimar telegraphierte mir: „Die Nachricht der Erwerbung Samoas fürDeutschland läßt mich aufs neue die erleuchtete und gewandte FührungEurer Exzellenz erkennen und um so herzlicher Ihnen zu diesem ResultatGlück wünschen. Eure Exzellenz aber wissen, wie aufrichtig ich dies meineund wie stolz ich die Geschäfte in Ihrer Hand zu wissen mich fühle."Der Großherzog Karl Alexander war bekanntlich das Vorbild der vielen,Karl nicht immer geschmackvollen und nicht einmal witzigen Serenissimus-Alexander Komödien, die in den letzten Jahrzehnten vor dem Weltkrieg über dien Sachsen- B retter deutscher Dülmen gingen. In Wirklichkeit war Großherzog KarlAlexander von Sachsen einer der innerlich vornehmsten, kultiviertestenund humansten Fürsten, die auf einem deutschen Throne gesessen haben.Erfüllt von der großen Tradition seines kleinen Landes, war er, und dasnicht nur in Worten, Schriftstellern und Künstlern ein gütiger und er-leuchteter Mäzen. Er fühlte die Größe von Richard Wagner und schützteund unterstützte ihn, als dessen Genius noch von den wenigsten begriffenwurde und die sogenannte Intelligenz „Tannhäuser" und „Lohengrin" ignorierte oder faule Witze über diese Meisterwerke machte. Lebenslangeund treue Freundschaft verband ihn mit Franz Liszt. Er förderte AdolfStahr und Richard Voß. Der Großherzog war ein treuer Patriot. Obwohl einBruder der Kaiserin Augusta, die in jahrelanger Fehde mit dem FürstenBismarck lebte, war er ein unentwegter Freund und Bewunderer des großenKanzlers, dem er, ebenso wie seine tapfere Tochter, die Prinzessin Hein-rich VII. Reuß, auch nach dem Sturz die Treue wahrte. Obschon für seinePerson ein gläubiger Christ, hielt er gegen alle Angriffe den großen Natur-forscher Haeckel auf seinem Lehrstuhl in Jena. Zahllos sind die mehr oderweniger wahren Anekdoten, die über ihn in Umlauf waren und Äußerungenvon ihm wiedergaben, die komisch anmuten können, aber meist nur derAusdruck momentaner Zerstreutheit oder Verlegenheit waren. Eine harm-lose Äußerung dieser Art gebe ich wieder, weil ich sie selbst hörte. Währendich an der Pariser Botschaft tätig war, nahm der Großherzog Karl Alexander