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dort einen mehrtägigen Aufenthalt. Der Botschafter Fürst Chlodwig Hohen-lohe machte ihn darauf aufmerksam, daß er dem Präsidenten Grevy einenBesuch abstatten müsse. Der Großherzog weigerte sich, dies zu tun, da erals Vetter und Freund des Hauses Orleans nicht zum Präsidenten der Re-publik gehen könne. Schließlich gab er nach und begab sich mit dem Bot-schafter und mir in das Elysee. Ein unglücklicher Zufall wollte, daß derGroßherzog einige Zeit warten mußte, bevor er bei Grevy eintreten konnte.Um ihn, der schon ärgerlich wurde, zu beschwichtigen, meinte, unter An-spielung auf des guten Johann Gottfried Seume bekanntes Gedicht „DerWilde", Fürst Hohenlohe lächelnd: „Grevy ist eben ein Kanadier, derEuropens übertünchte Höflichkeit nicht kennt." Hocherfreut replizierteder Großherzog: „Oh, er ist aus Kanada, das macht ihn mir wenigstensinteressant!" Alles Exotische zog ihn an, wie viele Deutsche der altenGeneration. Während desselben Pariser Aufenthalts wünschte der Groß-herzog, wie er sich ausdrückte, der großen Interpretin von Corneille undRacine, Fräulein Sarah Bernhardt , die Glückwünsche der Bühne von Goetheund Schiller zu überbringen. In dem Appartement der Künstlerin empfingihn ein sehr wohlerzogener junger Mann, der ihm als der Sohn des Hausesvorgestellt wurde. Etwas erstaunt frug der Großherzog, wie es käme, daßFräulein Bernhardt einen Sohn habe und wer der Vater wäre. Als er dieAntwort erhielt, der Vater sei ein Prinz de Ligne, meinte Karl Alexander :„Nun, das macht die Sache besser." Ich möchte nur noch eine Auekdotehinzufügen, weil sie Art und Geist einer hinter uns liegenden, schöneren Zeitanschaulich wiedergibt. Der Großherzog wohnte in den siebziger Jahren inDeutz einem Liebesmahl des stolzen 8. Kürassierregiments bei, dessen Chefer war. Er saß oben am Tisch, am unteren Ende die jungen Offiziere, unterdenen plötzlich große Heiterkeit entstand. Ein kecker Leutnant, Herr vonP., hatte mit leiser Stimme den nachstehenden Toast ausgebracht:
„Das Rindvieh säuft aus dem Eimer,Es lebe der Großherzog von Weimar !"
Der Großherzog frug nach der Ursache des Jubels. Ein unvorsichtigerFähnrich vergaloppierte sich und sprach von einem Toast. Der Großherzogwollte den Toast hören. Leutnant von P. erhob sich und rief mit sonorerStimme, mit einer wahren Kürassierstimme, in den Kasinosaal:
„Besser als die Pappenheimer
Reiten die Kürassiere des Großherzogs von Weimar !"
Sehr befriedigt verlieh ihm der Großherzog nach Tisch den Falkenorden3. Klasse, dessen Großkreuz Goethe trug. Derselbe Großherzog KarlAlexander, der Heiterkeit erregen konnte, hatte in Weimar , in anderer Art