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DAS SCHON EINGENOMMENE PEKING
Schenkel pflanzte, als ob er den Stab stets getragen hätte. Waldersee wirdnach meinem Eindruck zwar sehr selbständig, mit möglichster Umgehungder leitenden Stellen zu Hause, aber doch mit großer Vorsicht militärischund diplomatisch nach seiner Ankunft in China vorgehen, falls dann nochetwas für ihn zu tun übrigbleibt. Die Einnahme von Peking has cast atemporary gloom over our otherwise happy circle. Graf Schließen, welcherhier weilt und einen stillen, ruhigen, vortrefflichen Einfluß im Rate derMächtigen ausübt, ist der Ansicht, daß die verbündeten Truppen Pekingbesetzt halten sollten. Es scheint mir dies ein selbstverständliches Gebotder Klugheit zu sein, unter der Voraussetzung, daß sie dies ohne Ge-fährdung ihrer selbst können. Was hier jetzt wohl vor allem gefürchtetwird, sind Velleitäten anderer zu Friedensunterhandlungen, ehe Walderseeunter Triumphbögen mit weiß gekleideten chinesischen Jungfrauen an denToren der Städte irgendwo durch das chinesische Land zieht. Ich fürchteaber, daß für andere, wenn sie vorher Frieden schließen können, Er-wägungen dieser Art nicht ausschlaggebend sein werden. Es ist jedoch an-scheinend in Peking niemand vorhanden, mit dem unterhandelt werdenkönnte, und außerdem sehr zweifelhaft, ob die Chinesen sich schon jetztden Bedingungen der Mächte unterwerfen würden. Der kaiserliche Hof istinzwischen nach Hsianfu entflohen, einem Ort, den selbst Graf Schließenmit seinem Stabe auf der Karte bis jetzt nicht hat auffinden können. In-zwischen rücken immer wieder neue Banden von Süden nach Norden vor,und es mag dem Grafen Waldersee noch manche ehrenvolle Aufgabe ineinigen Wochen zu lösen bleiben. Sollte aber China schon vorher mürbe sein,so werden wir dem nicht wehren können, daß andere Frieden schließen,wenn es in ihrem Vorteil hegt. Ob wir, vereinzelt, dann einen nochmaligenZug nach Peking unternehmen werden, erscheint mir von zweifelhaftemWerte. Auch würden wir dann unter dem Angebot der guten Dienste derer,die nicht wünschen, daß die Sache nochmals losgehe, diplomatisch erdrücktwerden. Es ist indes unnütz, den Ereignissen vorgreifen zu wollen, wenn sienicht von einem selbst abhängen. Zum Kriegführen gehören von alters herzwei, und was man selbst zu tun hat, hängt zum großen Teil davon ab, wasder Gegner tut. Das wissen wir aber noch nicht; warten wir daher ab. Wohlinfolge der Einnahme von Peking und in dem Vorgefühl, daß dort für unsvielleicht nicht mehr viel zu tun übrigbleibe, ist neuerdings hier vonunberufener Seite auch wieder der phantasiereiche Plan eines Marsches vonunserem Pachtgebiet nach Norden heraufbeschworen worden. GrafSchlieffen , welcher großes Zutrauen zu mir gefaßt zu haben scheint undalle diese Fragen vorher mit mir bespricht, ist dagegen. Nur noch ein Wortin gewohnter Offenheit über den Jangtsekiang . Das Stromgebiet solloffen bleiben für den Handel aller unter den gleichen Bedingungen für alle.