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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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POSADOWSKY PIKIERT

einem der größten Söhne des heiligen Dominikus, Trost und Friedengefunden. Innige Freundschaft verband sie mit den glaubenseifrigstenKatholikinnen: mit der Herzogin Therese Ravascieri, der als Wohltäterinvon Neapel vom ganzen Volk verehrtenMamma Theresa", mit LadyCraven , der Verfasserin des in katholischen Kreisen viel gelesenenRecitd'une sceur". Ihr zweiter Mann, Marco Minghetti, war ein glühenderitalienischer Patriot, aber gleichzeitig ein überzeugter, gläubiger Katholik,mit dem Verstand und mit dem Herzen. In ihren Zweifeln flüchtete sie sichzu ihm, der sie auf den heiligen Franziskus, auf Francois de Sales und Ros-mini wies. In der letzten Unterredung, die ich im Mai 1915 vor meiner Ab-reise von Rom mit meiner Schwiegermutter hatte, erwähnte ich einen derschönsten Aussprüche des Apostels Paulus . Sie bat mich, ihr das Wort auf-zuschreiben. Da sie nicht Deutsch verstand, schrieb ich ihr den Spruch infranzösischer Sprache nieder:Les choses visibles sont pour un temps, maisles choses invisibles sont eternelles (II. Cor. IV. 18)." Das Blatt, auf dem ichdiese Worte niedergeschrieben hatte, lag auf dem Tischchen neben ihremBett, in dem sie am 12. September 1915 in ihrer Villa Mezzaratta beiBologna starb.

Aus Homburg richtete ich am Abend des 17. Oktober an den Vize-Abschieds- präsidenten des Staatsministeriums, den Finanzminister von Miquel, dasgesuch nachstehende Telegramm:Nachdem Seine Majestät mich zum Reichs-isadoivskys ^ anz \ eT zu ernennen beschlossen haben, drängt es mich, Eurer Exzellenzdie Bitte auszusprechen, mir auch fernerhin das freundschaftHche Wohl-wollen zu erhalten und die sachkundige Unterstützung zu gewähren, diefür mich von so hohem Werte sind. In alter und steter Verehrung Bülow."An den Staatssekretär des Innern, Grafen Posadowsky, telegraphierte ich:Durch den Willen Seiner Majestät zum Reichskanzler ernannt, ist es mirein Bedürfnis Eurer Exzellenz zu sagen, wie sehr ich hoffe, daß Ihre hervor-ragende Sachkenntnis und Kraft mir für die Führung meines verant-wortungsvollen Amtes zur Seite stehen mögen. In treuer ErgebenheitBülow." Während Miquel mir mit Liebenswürdigkeit und Geist seinenGlückwunsch aussprach und seine Unterstützung zusagte, überreichte mirPosadowsky mit einem steifen und gereizten Schreiben das nachstehende,an den Kaiser gerichtete Gesuch um Entlassung aus seinen Ämtern:Eure Majestät haben allergnädigst geruht, dem Reichskanzler Fürsten zuHohenlohe-Schillingsfürst die nachgesuchte Dienstentlassung zu erteilenund den Grafen Bülow zu dessen Nachfolger zu ernennen. Ich glaube alsStellvertreter des Reichskanzlers und Staatssekretär des Innern meinerPflicht zu genügen, wenn Eure Majestät ich alleruntertänigst bitte, huld-reichst zu entscheiden, ob Eurer Majestät ich ein Gesuch um Entlassungaus meinen Ämtern unterbreiten darf." Hätte ich dieses pikierte