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und Deutschland auch die Schiffsbauten nichts verdürben und daß überallWindstille herrsche. Das Furchtbare am deutschen Schicksal ist, daß wirdie eigentliche Gefahrzone, schon überwunden hatten, daß sogar demlistenreichen König Eduard die Karten, die er so geschickt zu mischenwußte, der Tod aus der Hand genommen hatte, als eine kaum je dageweseneVerbindung politischer Kurzsichtigkeit, Unbesonnenheit und Ungeschick-lichkeit uns durch Bethmann und Jagow doch in den Krieg hineingleitenließ.
Ich hatte mich im Frühling des Jahres 1900, in dessen Herbst ich Reichs-kanzler werden sollte, in der Budgetkommission des Reichstags eingehendund wiederholt über Zweck und Ziele unseres Flottenbaus ausgesprochen.Tirpitz hatte mich mündlich und schriftlich gebeten, die politische Begrün-dung der damals eingebrachten Flottennovelle in der Kommission allein zuübernehmen. Der Reichskanzler Hohenlohe war bei seinem hohen Alter undmit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit den langen und ermüden-den Kommissionssitzungen nicht mehr gewachsen. Tirpitz selbst konntevorher ausgearbeitete Reden, wenn auch mit leiser Stimme, so doch bis-weilen mit guter Wirkung, im Plenum vortragen, besaß aber für die Debattein der Kommission nicht die wünschenswerte Schlagfertigkeit. In der Kom-missionssitzung vom 27. März 1900 hatte ich in einer programmatischenAusführung den Gedanken an die Spitze gestellt: der Zweck der Novellesei vor allem, uns den Frieden auch gegenüber England zu sichern. EinZusammenstoß mit England würde, wie die Dinge heute lägen, für uns des-halb so gefährlich sein, weil uns England bei unserer gegenwärtigen Inferio-rität zur See schweren Schaden zufügen könne, ohne jedes Risiko für sichselbst, während wir andererseits, solange wir zur See so schwach wären wiejetzt, gerade gegen England im Konfliktsfall kaum Bundesgenossen findenwürden. Und wenn selbst Rußland in einem Konflikt mit England aufunserer Seite stünde, so würde doch bei unserer größeren Angreifbarkeitzur See die Hauptlast des Krieges auf uns fallen, und die Hauptverluste imKriege würden uns treffen. Ein unglücklicher Krieg mit England könne unsdurch die Vernichtung unserer groß und immer größer gewordenen über-seeischen Interessen, durch die Zerstörung unseres Handels, die Schädi-gung unserer Exportindustrie in unserer wirtschaftlichen und politischenEntwicklung um Generationen zurückwerfen. Wir könnten nur dann sichersein, mit England dauernd in Frieden zu leben, wie wir dies aufrichtigwünschten, wenn ein englischer Angriff auf uns nicht mehr so gefahrloserschiene wie heute. Heute lägen die Dinge so, daß wir gegen Angriffe vonder Landseite wohl gerüstet wären, daß dagegen unsere Rüstung nach derSeeseite bei einem Angriff Englands die bedenklichsten Lücken aufweise.England sei die einzige Macht, die uns ohne erhebliches Risiko für sich