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SO FLIEGEN MEHRERE KÖPFE"
das übrigens schrecklich gewesen sein soll durch seine Führung, dielediglich auf Knalleffekte hinauslief, hat ihn erfrischt und von mancherleiabgelenkt, was ihn nervös machte. So fand ich ihn denn viel besser, als ichnach den traurigen Erfahrungen im Juli nur irgend erwarten konnte. Ichfreue mich von Herzen, daß solche Beruhigungen noch möglich sind,pourvu que cela dure! Gegen Abend Ankunft in dem sehr hübschenCadinen. Die Unterhaltung dreht sich bei dem Abendessen und noch nach-her um die Brandstiftung in meinem Liebenberg. Der Kaiser behauptet, esginge von Sozialdemokraten aus, die mich treffen wollten, weil ich mit ihmbefreundet sei." Am 21. September 1900 fuhr Eulenburg fort: „Die Ma-jestäten reiten früh 7 Uhr mit den Adjutanten spazieren. Ich schlafe natür-lich unterdessen. Nach dem Frühstück ruft mich der Kaiser auf die Garten-terrasse. Er liest die Depeschen. Ich knüpfe eine Unterhaltung an, in derich ungefähr sagte: Die Frage in China sei entsetzlich schwierig, die Gefahreiner Verständigung Rußlands und Englands , um ihnzublamieren, groß,weniger die einer kriegerischen Koalition gegen uns. Äußerste Vorsicht seifür ihn zwingende Notwendigkeit. Ein Fehler, den er mache und der nichtmehr durch seine Beamten gedeckt werden könnte, würde alle ihm feind-lichen Elemente in Deutschland einigen und eine Koabtion im Innerenheraufbeschwören, der er vielleicht weniger Herr werden könne als eineräußeren. Der Kaiser erging sich dann in Betrachtungen über die Politikder Agrarier, wobei er immer lebhafter wurde. Zum Schluß sagte er: ,Wenndie Hunde es wagen sollten, aus irgendeinem Anlaß sich gegen Mich zuwenden, in offenkundiger, systematischer, gefährbcher Weise, so fliegenmehrere Köpfe, so wahr Ich hier stehe. Denn das ist Hochverrat.' Ichhielt es für besser, abzubrechen. Wie sich der Gute wohl das Köpfenlassenim Jahre 1900 denkt ? ? . . . Später lange Mitteilungen des Kaisers über dieHaltung der Kaiserin in Fragen der Erziehung der Prinzen August Wilhelm und Oskar. Sie hat schon in Berlin und Stettin erklärt, daß sie sich absolutwidersetzen werde, daß die Prinzen im nächsten Jahr nach Plön kommen.S. M. befindet sich in Angst wegen einer drohenden großen Szene. Um10 Uhr fährt der Kaiser mit mir auf das Feld, um neue Kartoffelaushebe-maschinen zu sehen . . . Die Kaiserin ist beleidigt, daß sie nicht mitfahrendarf, und macht mir bei Tisch die Bemerkung, daß sie natürbch nicht mit-kommen dürfe, wenn ich da sei. Um 4 Uhr Fahrt zu der neuen Ziegelei, diemir S. M. zeigen will. Die Kaiserin erscheint, angebbch mit Schnupfen undKopfschmerzen, und fährt mit uns. Vor dem Essen, als alles versammeltist, erscheint der Kammerdiener mit der Nachricht, die Kaiserin kämenicht zum Essen. S. M. ziembch zerstreut, geht gleich nach Tisch imdunklen Garten mit mir auf und ab. Es hat eine entsetzbche Szene gegeben.Endlose Auseinandersetzungen, in denen der Kaiser fest bleibt, da er der