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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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DIE FÖDERALE GRUNDLAGE

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zu ahnen, daß ich dort einmal neben Fehrenbach, Joseph Wirth und Gustav Brief desBauer hängen würde. Ich brauche wohl kaum zu sagen, daß der königliche Grafen MonisGesandte in München, Graf Anton Monts, sobald ich München verlassenhatte, an mich einen Bericht richtete, um den nach seiner Behauptungüberwältigenden Eindruck zu schildern, den ich dort hervorgerufen hätte.Er meldete amtlich:Die heutige Nummer der ,Münchner Neuesten Nach-richten ' bringt an erster Stelle eine offenbar von der Geheimkanzlei SeinerKöniglichen Hoheit des Regenten inspirierte Meldung über den AufenthaltEurer Exzellenz in München und die von den hiesigen leitenden Persönlich-keiten gewonnenen günstigen Eindrücke. Übereinstimmend mit dem Inhaltdieser Meldung versicherte Generaladjutant von Wiedemann mir wieder-holt, der Regent sei geradezu entzückt gewesen. Obgleich er, Wiedemann,viele Jahre die Ehre habe, zur nächsten Umgebung Seiner KöniglichenHoheit zu gehören, so sei es ihm doch bisher nicht vorgekommen, daß seinin der Regel wenig expansiver Herr sich so befriedigt über einen persön-lichen Eindruck aussprach. Desgleichen erzählte mir der HofmarschallSeiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig, daß auch sein gnädigerHerr Worte hoher Anerkennung über die mit Eurer Exzellenz gehabte Aus-sprache geäußert habe. Freiherr von Crailsheim , den ich nach Eurer Exzel-lenz Abreise noch zu sprechen Gelegenheit nahm, wies zunächst auf dieaußerordentliche Befriedigung Seiner Königlichen Hoheit des Regentenhin. Während der Regent sich sonst bei ähnlichen Anlässen mit Vorfahrenund Kartenabgabe begnüge, sei der längere Besuch des hohen Herrn beiEurer Exzellenz im Hotel ein sicheres Zeichen dafür, wie sympathischHöchstihm Eure Exzellenz als Persönlichkeit wären. Er, der Minister,erhoffe von dieser guten Disposition des Staatsoberhaupts weitere Förde-rung der Berlin-Münchener Beziehungen. Ferner hätten Eurer Exzellenzvon ehrendem Vertrauen zeugende Eröffnungen seine und seiner Minister-Kollegen ohnehin schon bestehende Verehrung für den neuen verantwort-lichen ersten Reichsbeamten noch mehr vertieft. Die Versicherung, auf denbewährten Bahnen Bismarckscher, der föderalen Grundlage des Reichsgerecht werdender innerdeutscher Politik wandeln zu wollen, müsse derbayrischen Regierung zur höchsten Genugtuung gereichen. Ferner sprachder Minister des Innern mir noch gestern abend seine wärmsten Glück-wünsche aus anläßlich des so überaus befriedigenden Verlaufs des Besuchs.Auch andere Persönlichkeiten, wie Graf Berchem, Professor von Hertling,die beiden Bürgermeister usw., äußerten sich in ähnlichem Sinne. ZumSchluß beehre ich mich, das eingangs erwähnte Communique sowie einenkurzen, auch dem weiteren Münchener Publikum gerecht werdendenlokalen Artikel der ,Münchner Neuesten Nachrichten ' gehorsamst einzu-reichen. Übrigens hebt auch die ,Allgemeine Zeitung ' in ihrem heutigen

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