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„SO GUT HERAUSGEPAUKT
Königs, die Königin Carola von Sachsen , schenkte mir nach dem Heimgangihres Gemahls diesen Tisch, der in Flottbeck in meinem Zimmer steht undmich an einen der besten und bedeutendsten Fürsten erinnert, die Deutsch-land gehabt hat.
Nach Berlin zurückgekehrt erhielt ich am Vorabend des Weihnachts -Der tages, am 23. Dezember 1900, den Besuch des Kaisers. Er überreichte mirSchwarze (j en Schwarzen Adlerorden mit den Worten: „Das soll mein Dank dafürAdlerorden sem ^ j a ß gj e m i cn vor ,j em Reichstag so gut herausgepaukt haben." Ichdankte von Herzen, bat aber, mir nicht zu häufig Gelegenheit zu solchenRitterdiensten zu geben. Ich sei jederzeit bereit, vor dem Parlament fürden Kaiser einzutreten, aber er schade sich selbst durch Unvorsichtigkeit,Indiskretion und Mangel an Selbstbeherrschung. Nichts war herzlicher alsder Händedruck, mit dem der Kaiser mir versicherte, er werde von jetzt abmir nie wieder Anlaß geben, für ihn einzuspringen. Nur zwei Jahrzehntetrennen mich zur Zeit, wo ich diese meine Erinnerungen diktiere, von derVerleihung des höchsten preußischen Ordens. Als ich ihn erhielt, war ichder jüngste Ritter, heute bin ich der Anciennität nach der älteste. Eheufugaces, Postume, Postume, labuntur anni.
Wohltuend berührte mich ein Brief, den ich bald nach der Verleihungdes Schwarzen Adlerordens von meinem Amtsvorgänger erhielt. Ich gebeihn wieder, um zu zeigen, in wie hohem Grade Fürst Chlodwig Hohenlohevornehme Gesinnung mit Güte des Herzens verband. Er schrieb mir ausMeran am 26. Dezember: „Eure Exzellenz begrüße ich als der derzeitigeälteste Ritter des Schwarzen Adlerordens bei Ihrem Eintritt in unsere Mitteund wünsche von Herzen Glück zu der wohlverdienten Auszeichnung.Zugleich erlaube ich mir, Ihnen und der Gräfin meine besten Wünsche zudem bevorstehenden Jahreswechsel darzubringen. Möge das beginnendeJahr Ihnen nur Gutes und weitere Erfolge bringen. Mit der Versicherungfreundschaftbcher Ergebenheit Ch. Hohenlohe." Einige Tage später schriebAlexander der zweite Sohn meines Amtsvorgängers, Prinz Alexander Hohenlohe ,Hohenlohe damals Bezirkspräsident in Kolmar, an meine Frau: „Bei dem Beginn desneuen Jahrs werden Ihnen voraussichtlich diesesmal so viele Glückwünschevon allen Seiten zugehen, daß Sie kaum Zeit haben werden, sie alle zu be-wältigen. Trotzdem müssen Sie mir erlauben, auch die meinigen denselbenhinzuzufügen mit der Bitte, Sie möchten sie zu denjenigen legen, von denenSie überzeugt sind, daß sie wirklich aufrichtig gemeint sind. Ich braucheIhnen nicht zu sagen, daß dieselben zugleich auch dem Reichskanzlergelten sollen, dessen kostbare Zeit ich nicht durch einen direkt an ihn ge-richteten Neujahrsbrief in Anspruch nehmen möchte. Auf dem Höhepunkt,auf dem Sie beide am Anfang dieses neuen Jahrhunderts angelangt sind,wird ja der gewöhnliche Sterbbche leicht versucht sein zu glauben, daß es