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die freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland aufrechtzuerhalten und zubefestigen. Uber die Stimmung des Zaren schrieb mir Werder, dieser habeim Grunde für Kaiser Wilhelm etwas übrig, wenn ihm auch manches anihm nicht gefalle. Daß Deutschland wirtschaftliche Vorteile in der Türkei wünsche, finde er begreifhch; aber die von Kaiser Wilhelm affichierteBegeisterung für Hohe Pforte, Koran und Sultan agaziere den Zaren. Eräußerte vor Werder : „Je n'aime pas le Sultan, je le cede ä l'Empereurd'Allemagne."
Der Botschafter Alvensleben war längere Zeit eifrig bemüht gewesen,eine Verbindung der hübschen Tochter des Großfürsten Wladimir, derGroßfürstin Helene, mit einem deutschen Prinzen zustande zu bringen.Der Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, der später seinen Namen undseinen Rock in trauriger Weise beflecken sollte, zeigte sich abgeneigt, derjunge Großherzog Wilhelm Ernst von Weimar gefiel in Petersburg nicht.Auch fürchtete Alvensleben von letzterer Verbindung eine Förderungetwaiger auf Lockerung des Reichsverbands mittels dynastischer Bezie-hungen gerichteter russischer Bestrebungen. Die Gefahren einer Verbin-dung mit dem Prinzen Louis Napoleon , der ein imponierendes Äußeresbesitze, ein guter Soldat sei und wohl imstande, einer jungen, liebebedürf-tigen Prinzessin zu gefallen, flößte Alvensleben mit Recht noch stärkereBefürchtungen ein. Auch eine Verbindung mit dem Grafen von Turin hättefür uns ihre Nachteile. Schließlich war es zu einer Verlobung der jungenPrinzessin mit dem Prinzen Max von Baden gekommen. Dieser, der in seineräußeren Erscheinung, aber nur hierin, an seinen Urgroßvater, den KaiserNikolaus L, erinnerte, Heß sich von seiner Mutter, einer russischen Leuch-tenberg , zu der von ihr lebhaft gewünschten Verlobung mit der jungenGroßfürstin Helene bestimmen. Bei näherer Überlegung sagte er sich aberdoch, daß eine Ehe mit der von Alvensleben nicht nur als jung und hübsch,sondern auch als temperamentvoll und hebebedürftig charakterisiertenPrinzessin kaum sein Fall sein würde, und hob die Verlobung wieder auf.Großfürst Wladimir nahm diese Absage mit dem ihm eigenen humoristi-schen Phlegma und tröstete seine weinende Tochter mit den Worten: „Nepleure pas, ma cherie, Karlsruhe aurait ete pour toi un enterrement sanspompe." Dagegen war die Großfürstin Wladimir außer sich, und ihre bis-herige Anhänglichkeit an ihre deutsche Heimat hat sehr unter diesemZwischenfall gelitten. Die reizende Großfürstin Helene Wladimirownaheiratete später einen griechischen Prinzen, der die Eigenschaften besessenzu haben scheint, die dem Prinzen Max von Baden fehlten.
Kurz vor dem Ende des Jahres 1901 wurde das letzte Denkmal in der Wilhelm II. Siegesallee enthüllt. Die Siegesallee verdient meines Erachtens nicht und dieden schlechten Ruf, den sie genießt. Donna Laura Minghetti, die mit Sle S esallee