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1 (1930) Vom Staatssekretariat bis zur Marokkokrise
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BÜLOW SCHLÄGT DEN FÜRSTENTITEL AUS

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kaum zwei Stunden geschlafen, fuhr ich nach Potsdam , wo der Kaiserweilte, und bat ihn dringend, von dieser Standeserhebung abzusehen. Ein-mal wäre es mir peinlich, für einen im inneren Parteikampf erfochtenenSieg eine größere Auszeichnung zu erhalten. Dann aber verspürte ich über-haupt kein Verlangen nach einer Standeserhöhung. Das waren nicht nurWorte, sondern diese Worte entsprachen meinem inneren Empfinden. Ichwar und bin stolz auf meinen alten Namen. Ich sehe nicht ein, warum ichmich nicht darüber freuen soll, daß die Familie, deren Namen ich trage,schon vor 800 Jahren in das Licht der Geschichte trat. Ich bin auch heutenoch stolz darauf, daß meine Familie ihrem alten WappenspruchAlleBülowen ehrlich" Ehre gemacht hat, daß sie auf vielen Gebieten dem deut-schen Volk treffliche Männer schenkte. Schon als Schüler des Pädagogiumsin Halle schrieb ich auf die erste Seite der von Varnhagen von Ense ver-faßten Biographie des Generals Bülow von Dennewitz die Worte derIphigenie:

Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt,Der froh von ihren Taten, ihrer GrößeDen Hörer unterhält und still sich freuendAns Ende dieser schönen Reihe sichGeschlossen sieht!

Ich fühlte mich aber als Herr von Bülow gerade so zufrieden und geradeso gut wie als Graf und Fürst. Der Kaiser gab ungern nach und meinteschließlich, er habe schon an meine Schwiegermutter nach Rom telegra-phiert, daß ihre Tochter jetzt wieder Principessa würde. Ichbestand auf meinerWeigerung. Es gelang mir auch, das Telegramm an Donna Laura Minghettiunterwegs abzustoppen. Ich lasse es im Wortlaut folgen, weil es ein Beweisfür die große Herzensgüte, für die Liebenswürdigkeit und Spontaneität Wil-helms II. ist:Bernardo Bülow grande vittorie tarifale in Parlamento perciöcreato Principe di Bülow e la vostra figlia Principessa. Guglielmo I. R."

Der ausgezeichnete Rechtslehrer an der Berliner Universität ProfessorHeinrich Dernburg , der Verfasser eines klassischen Lehrbuchs der Pan-dekten,telegraphierte mir:Meinen Glückwunsch zu dem mannhaften, mitgerechten Mitteln und in guten Treuen erkämpften Siege über Schikane undVolksverführung." Dr. E. Schwetschke erfreute mich mit den nachstehen-den Versen:

Es lebe hoch der Zolltarif

Und Er, der g'rade macht, was schief!

Ich sag' es unverhohlen,

Doch höher soll Er leben noch.

Macht er uns autonom vom Joch

Des Erzfeinds erst der Polen .

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