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hielt und nach Überwindung großer Schwierigkeiten die Heirat durch-setzte. Seitdem war das Verhältnis zwischen der zur Herzogin von Hohen-berg erhobenen Sophie Chotek und der Erzherzogin Friedrich sehr gespannt.Die Erzherzogin hatte den Jagdaufenthalt des Kaisers benutzt, um den soleicht zu beeinflussenden Monarchen gegen morganatische Heiraten imallgemeinen und gegen die Ehe des Erzherzogs Ferdinand im besonderenaufzuhetzen. Der Kaiser empfing mich in Wiener-Neustadt sofort mit denWorten: „Von der Frau von Franz Ferdinand nehme ich natürlich gar keineNotiz." Dann begab er sich mit mir und dem Botschafter Karl Wedel inseinen Salonwagen. Wedel bekämpfte die unfreundlichen Absichten SeinerMajestät mit Bezug auf die Gemahlin des österreichischen Thronfolgersmit verständigen, etwas gründlich und breit vorgebrachten Argumenten,erweckte damit aber nur den immer gereizteren Widerspruch Seiner Ma-jestät. Der Kaiser rief schließlich aus: „Wenn ich hier nachgebe, erlebe ichnoch, daß auch meine Söhne Hofdamen oder vielleicht auch Kammerjungfernheiraten." Der letztere Fall ist, Gott sei Dank, nicht eingetreten, wohl aberder erstere, denn der fünfte Sohn des Kaisers, Prinz Oskar , heiratete zehnJahre später die anmutige Gräfin Ina Bassewitz , die von Seiner Majestätschließbch noch zur Prinzeß von Preußen erhoben wurde und ihren ver-ständigen und trefflichen Gemahl sehr glücklich macht. Freilich gab Wil-helm II. nur ungern seine Zustimmung. Als endlich im königlichen Schloßdas Verlobungsfrühstück stattfand, empfing der Kaiser den Vater, denmecklenburgischen Ministerpräsidenten Graf Bassewitz-Levetzow, mit denunmutigen Worten: „Sehr erwünscht ist mir diese Heirat nicht." Mitmecklenburgischem Phlegma erwiderte der Vater trocken und würdig:„Mir erst recht nicht." Damals waren wir aber noch nicht so weit. Da ichwußte, daß der Kaiser mir in Gegenwart eines Dritten nicht nachgebenwürde, so forderte ich Wedel leise auf, unter irgendeinem Vorwand dasCoupe zu verlassen. Wir fuhren inzwischen an Baden vorbei. Ich sagte demKaiser, daß ich der letzte wäre, unser Schicksal ganz und endgültig anOsterreich zu knüpfen. Aber aus persönlichen und rein theoretischenGründen uns den künftigen Kaiser von Österreich zum Feinde zu machen,hätten wir keinen Grund. Während der Kaiser noch heftig protestierte,passierten wir Mödling . „Eure Majestät", sagte ich dringlicher werdend,„sind doch nicht zum Hüter der Ebenbürtigkeit in der ganzen Welt undspeziell in Österreich bestellt, sondern Sie haben nur die deutschen Inter-essen zu wahren. Diese werden durch eine Brüskierung des österreichischenThronfolgers zweifellos und schwer verletzt." Noch immer widersetzte sichder Kaiser. Der Zug fuhr in die Wiener Bahnhofshalle ein. Wir erbHcktenaus dem Fenster die grünen österreichischen Federbüsche, wir hörten schondie Klänge des „Heil dir im Siegerkranz ", als ich an den Kaiser einen letzten
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