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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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WILHELM II. AUF DEM H AP AG-D AMPFER

daß es unter den Jesuiten nicht nur kluge und tüchtige, sondern auchgute, edle, von reinstem Idealismus erfüllte Männer gibt. Während desDeutsch -Französischen Krieges stand ich bei derselben Schwadron miteinem westfälischen Freiherrn von Böselager. Ich fühlte mich zu ihm hin-gezogen. Er war ein ungewöhnlich unterrichteter und begabter jungerMann, dabei ein tüchtiger Soldat, der sich von keinem Königshusaren anEifer im Dienst, an Unermüdlichkeit im Patrouillereiten, an Tapferkeit beider Attacke übertreffen ließ. Wir führten oft lange religiöse Gespräche,im Geiste des großen Wortes:In necessariis unitas." Sobald der Feldzugzu Ende war, bestimmte Böselager sein ganzes nicht unbeträchtliches Ver-mögen für fromme Zwecke, dann trat er in den Jesuitenorden ein. Als ichmich viele Jahre später bei einem seiner Verwandten nach seinem Ergehenerkundigte, hörte ich, daß Karl Böselager in den sumpfigen Niederungendes Ganges einer Pestepidemie erlegen wäre, bis zum letzten Atemzuge dieKranken pflegend und versehend, die Gesunden aufrichtend und tröstend.Ave, pia anima!

Als ich die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes erreicht hatte, schriebmir Kardinal Kopp:Eure Exzellenz wollen geneigen, wenigstens einstilles Dankeswort für die Erledigung der Jesuiten -Frage entgegenzu-nehmen. Die Wogen der wohl meist nur künstlichen Aufregung werden sichvoraussichtlich bald verlaufen, die Katholiken aber hoffentlich der Opfereingedenk bleiben, die Eure Exzellenz für diese Friedensaktion gebrachthaben. In unwandelbarer Treue und Verehrung. G. Kard. Kopp." Meinlieber alter Freund der Prinz Franz Arenberg schrieb mir:Jukus Bachem,der Redakteur der Kölnischen Volkszeitung, sagt mir soeben, die zweiteAuflage des Katholischen Staatslexikons sei fertiggestellt, und die Redaktionhabe beschlossen, Dir ein Exemplar in Prachtband zu verehren. Die Leutewissen sehr gut, welches Maß von Dank sie Dir für alle Anfechtungenschulden, denen Du Dich ihretwegen ausgesetzt hast, und wollen Dir mitdieser Aufmerksamkeit ihre Verehrung und Erkenntlichkeit zeigen. DiesenBeweis anständiger Gesinnung bin ich sehr glücklich Dir übermitteln zukönnen." Mündlich sagte mir Arenberg in jenen Tagen:Als Zentrumsmanndanke ich dir. Als dein Freund sage ich dir: Nun aber Schluß! Wenn inDeutschland eine Partei ungefähr alles erreicht hat, was sie vernünftiger-weise verlangen kann, dann ist für die Regierung nicht mehr mit ihr auszu-kommen, dann wird sie unverschämt." Diese Prophezeiung sollte sich schonzwei Jahre später erfüllen.

Im März 1904 unternahm Kaiser Wilhelm seine erste Mittelmeerreise.Mittelmeer- Die Hamburg-Amerika-Linie hatte ihm zu diesem Zweck einen ihrer größtenfahrt des Dampfer zur Verfügung gestellt, was Seine Majestät die Möglichkeit bot,°' sers eine stattliche Zahl von Bekannten auf diese Fahrt mitzunehmen. Als der