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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DER ZAR IN DEN KRIEG GETAUMELT

gegen uns in Szene gesetzte Blockade, die den Mord an vielen tausendenunschuldigen deutschen Frauen und Kindern bedeutete, verabscheuungs-würdiger war als die Versenkung derLusitania " und die Erschießungvon Miß Cavell. Aber wie beim Beginn des Krieges durch unsere täppischediplomatische Taktik, so beluden wir uns in dessen weiterem Verlauf durchdie blöde Ungeschicklichkeit unsrerFrightfulness" mit dem bösen Schein.Auch hier waren wir das Schaf im Wolfspelz.

Graf Osten-Sacken, der ein alter und erfahrener Diplomat war, hatte mirRussisch - gegenüber schon im Herbst 1903 die Beibungen zwischen Bußland undJapanischer Japan , die dem Ausbruch des Krieges vorausgingen, nicht ohne Grund mitKrie S dem Ursprung des mexikanischen Abenteuers verglichen. Der Bussisch-Japanische und der Französisch-Mexikanische Krieg glichen sich darin,daß sie beide aus unsauberen Börsenspekulationen hervorgingen. Sie glichensich auch darin, daß diese von Jobbern inszenierten kriegerischen Unter-nehmungen mit patriotischen Phrasen als weitsichtige politische Aktionendrapiert wurden. In Frankreich hatte Bouher die mexikanische Expeditionla plus grande pensee du regne" genannt. In Bußland versicherten dieKamarilla, die den Zaren umgab, die Großfürsten, die am Jalu Geld ge-winnen wollten, und alle Höflinge dem Zaren, daß die russische Expansionin Ostasien an die große Politik des großen Peter und der großen Katharinaerinnere. Um so begreiflicher war das Unbehagen der Panslawisten, diegewünscht hätten, daß Bußland alle seine Kräfte für Europa und insbe-sondere für den Balkan zusammenfasse und aufspare. Zum Oberbefehls-haber der russischen Landarmee in der Mandschurei wurde Kuropatkin ernannt, bis dahin der Abgott russischer Patrioten. Er galt nicht nur füreinen glänzenden Haudegen ä la Skobelew, sondern auch als ein ganz großerStratege von fast napoleonischen Dimensionen. Ich bin ihm in Petersburg mehr als einmal in Gesellschaft begegnet, auch bei kleineren Diners. Erwirkte dadurch, daß er wenig sprach, was als Zeichen eines tiefen Geistesausgelegt wurde. Statt zu reden, trank er ein Gläschen Wodka nach demanderen, was als Beweis einer echt russischen Natur allgemein gefiel. Derarme Mann sollte das Schicksal von Gyulai und Benedek, von Lebceuf,Bazaine und Trochu und manchen anderen zuerst überschätzten, danngeschmähten Feldherren erfahren. Kaiser Nikolaus war in diesen Krieghineingetaumelt. Der Zusammenstoß mit Japan war ihm immer als möglich,zeitweise sogar als wahrscheinlich erschienen; er hatte aber nicht gedacht,daß der Krieg so bald und so plötzlich ausbrechen würde. Am Tage bevorjapanische Torpedoboote das russische Geschwader auf der Außenreedevon Port Arthur angriffen, beehrte auf einem Hof ball in St. Petersburg derZar den japanischen Gesandten mit einer längeren und gnädigen Ansprache.Im weiteren Verlauf des Balles äußerte der Japaner mit dem unbewegüchen