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England nicht zu mißtrauisch und nicht zu empfindlich sein. Weite eng-lische Kreise sind überzeugt, daß die Deutschen ihre Flotte mit der Absichtbauen, wenn sie zur See stark genug sein werden, über England herzufallenund ihm durch Vernichtung seines Handels oder gar durch eine Invasionfür immer das Rückgrat zu brechen. Ich teile diese Auffassung nicht, ichbekämpfe sie sogar. Sie müssen aber auch verstehen, daß, da England stehtund fällt mit seiner Sicherheit zur See, die englische Admiralität für jedesneue deutsche Schiff zwei neue englische Schiffe baut. In Deutschland istman geneigt, freundschaftliche Beziehungen zwischen England einerseits,Frankreich, Rußland, Italien, Spanien andererseits als eine direkte Bedro-hung aufzufassen. Solche Beziehungen sind aber von demselben defensivenGeist eingegeben wie der Dreibund und wie die deutschen Flottenbauten.Wenn man in Berlin wie in London kaltes Blut bewahrt und keine ,ganzgroßen Dummheiten' macht, so wird die Spannung zwischen Deutschland und England mit der Zeit gerade so vorübergehen, wie während derletzten neunzig Jahre ähnliche, sogar noch bedenklichere Spannungenzwischen Frankreich und England und zwischen England und Rußland sich allmählich verflüchtigt haben."
Im Anschluß hieran kam der König aus eigener Initiative auf dasDer König „Agreement" zu sprechen, das vom Kabinett Balfour am 8. April mit Frank-über den re ich über die Schlichtung kolonialer Streitfragen abgeschlossen wordenen & war. Es war an demselben Tage unterzeichnet worden, an dem Wilhelm II.
v , . , auf einer Mittelmeerreise Malta besucht hatte. Das Abkommen bestand ausKolonial-vertrag drei Erklärungen: L England versprach, an dem bestehenden Zustande in
Ägypten nichts zu ändern; Frankreich , keinen Räumungstermin zu for-dern. 2. Frankreich versprach, den politischen Zustand in Marokko nichtzu ändern; England erkannte an, daß Frankreich als Nachbarstaat Ma-rokkos das Recht habe, die Ruhe dort zu erhalten und dem Sultan im Not-fall bei seinen Verwaltungsreformen militärische und finanzielle Hilfe zuleisten. 3. Langjährige Grenz- und Zolldifferenzen zwischen beiden Län-dern in Senegambien, am Niger, in Siam, in Madagaskar sowie die altenStreitigkeiten wegen der Neufundländer Fischerei und der Rechtslage derEingeborenen auf den Hebriden sollten durch gegenseitige Nachgiebigkeitgütlich geschlichtet werden. König Eduard bemerkte über dieses sehr be-deutsame Agreement, an dessen Zustandekommen er persönlich einengroßen Anteil gehabt hatte: „Zwischen England und Deutschland bedarfes keiner besonderen Abmachungen, da ja zwischen uns keine konkretenpolitischen Interessengegensätze obwalten. Mit Frankreich lag die Sacheanders. Eine Verständigung über alte und schwierige Differenzpunkte warhier eine absolute Notwendigkeit. Die Verständigung zwischen Englaudund Frankreich richtet aber ihre Spitze nicht gegen Deutschland . Ich denke