Druckschrift 
2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

40

ADJUTANTEN

gouverneure wurden, und manche andere. Der Botschafter Benckendorff,von dem mir Metternich sprach, war, wie die von den Bolschewisten in-zwischen veröffentlichten Papiere beweisen, in der Tat bestrebt, seinedeutsche Herkunft in St. Petersburg durch antideutsche Treibereien inVergessenheit zu bringen. Am übelsten war, was Graf Metternich mir überdie Umtriebe von Eckardstein schrieb, der offenbar immer tiefer sank, biseinige Jahre später der von ihm gegen seine Frau angestrengte skandalöseEhescheidungsprozeß seinen gesellschaftlichen und moralischen Zusammen-bruch nach sich zog.

Graf Viktor Eulenburg, ein Sohn des damaligen OberhofmarschallsViktor und späteren Hausministers, war ein ungewöhnlich tüchtiger, begabter,Lulenburg durch un( j durch anständiger junger Mann, der mehrere Jahre Adjutantu Erbprinz j^. g ewegen war> J cn habe als Reichskanzler drei Adjutanten gehabt,die alle vor mir in jungen Jahren gestorben sind und denen ich ein dank-bares Andenken bewahre. Mein erster Adjutant war der Erbprinz Emanuelvon Salm-Salm, der später eine Erzherzogin von Österreich heiratete. AlsRittmeister bei den Gardeducorps starb er im Weltkrieg den Heldentod.Er Avurde vom Ausbruch des Weltkriegs in Indien überrascht, wo er Tigerschießen wollte. Von den Engländern interniert, gelang es ihm mit Hilfeder Tante seiner Frau, der Königin Christine von Spanien, die Erlaubniszur Rückreise nach Deutschland zu erhalten. In Gibraltar wurde er einzweites Mal festgenommen, aber infolge seiner inständigen Bitten durchVermittlung der Königin nochmals in Freiheit gesetzt. Er reiste, ohne sichin der Heimat aufzuhalten, direkt nach dem östlichen Kriegsschauplatz,wo sein Regiment stand, das soeben siegreich gegen Russen gefochten hatte.Während seine Kameraden ihn jubelnd begrüßten, traf eine letzte Kosaken-kugel Emanuel Salm, der, an der Schläfe getroffen, lautlos, schmerzlosumsank. Der weise Solon würde ihn neben dem Tellos von Athen als einender wenigen ganz und wirklich Glücklichen bezeichnet haben. Auf EmanuelSalm passen die schönen Verse, die Ernst Moritz Arndt dem 1814 in denArdennen gefallenen Friedrich Friesen gesungen hat:

War je ein Ritter edel,Du warst es tausendmal,Vom Fuße bis zum SchädelEin lichter Schönheitsstrahl.

Sein Nachfolger Graf Viktor Eulenburg erlag in verhältnismäßig jungenJahren einer tückischen Tuberkulose, die er sich als Teilnehmer an einerExpedition nach Abessinien zugezogen hatte. Bei seiner ungewöhnlichenBegabung lag eine große Zukunft vor ihm. Mein letzter Adjutant, Erichvon Schwartzkoppen, der Sohn eines ausgezeichneten Heerführers im