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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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HEINRICH XVIII. REUSS SCHLÄGT CECILIE VOR

Gewandtheit gute Beziehungen zu der Familie Cumberland angeknüpfthatte, war eifrig bestrebt, der von Ihrer Majestät gewünschten Verbindungdie Wege zu ebnen. Seine Bemühungen scheiterten aber an der Vis inertiaedes Herzogs Ernst August von Cumberland, der durch seinen passivenWiderstand Kaiser Wilhelm in so großen Zorn versetzte, daß er einmal anden Rand eines Eulenburgschen Briefes schrieb:Ehe Ich den uuver-schämten Weifen auf Braunschweigs Thron klettern lasse, möge er Heberverderben!" Das hat Wilhelm II. nicht abgehalten, dem Sohn desun-verschämten" Weifen später seine einzige, übrigens charmante Tochterund als Morgengabe Braunschweigs Thron zu gewähren. Die Kaiserindachte in zweiter Linie an eine der beiden Töchter des Prinzen Albert vonSachsen-Altenburg und einer preußischen Prinzessin. Auf Wunsch IhrerMajestät bat ich die jungen Damen zu Tisch. Sie sahen recht blaß aus,bei Tisch fühlte sich die eine unwohl. Ich hatte den Eindruck, daß sie fürdie aufreibende Stellung einer preußischen und deutschen Kronprinzessinzu zart wären. Sie haben übrigens beide später geheiratet, die eine einenPrinzen Reuß, die andere einen Grafen Pückler.

Zu meinen ältesten und treusten persönlichen Freunden gehörte derVerlobung des Prinz Heinrich XVIII. Reuß. Es ist allgemein bekannt, daß alle PrinzenKronprinzen R eu ß einem der größten deutschen Kaiser, dem Hohenstaufen-KaiserHeinrich VI. zu Ehren den Vornamen Heinrich führen. Sie unterscheidensich durch ihre Nummern, wobei die ältere Linie bis 100 zählt, die jüngeremit jedem Jahrhundert wieder mit I beginnt. Da sie sich im Familienkreisenicht mit ihren Nummern anreden lassen mochten, so führten sie kleineBeinamen: Der hochverdiente Botschafter in St. Petersburg , Konstanti-nopel und Wien Prinz Heinrich VII. Reuß wurde Septi genannt, einenanderen Reuß, der die Nummer IX trug, nannte man scherzweise Pio Nono ,noch einen anderen Enrico, und so weiter. Das Fürstentum Reuß war derkleinste deutsche Bundesstaat. Als Friedrich der Große bei einer Reisedurch seinen Staat einmal an der Grenze von einem Fürsten Reuß begrüßtwurde, redete er ihn mit den Worten an:Voilä deux souverains qui serencontrent." Prinz Heinrich XVIII. Reuß, der mit einer Prinzessin vonMecklenburg vermählt war, lenkte meine Aufmerksamkeit auf die Kusineseiner Frau, die Prinzessin Gecilie von Mecklenburg-Schwerin . Der Kaiserinwar diese Verbindung von vornherein sympathisch. Sie stieß sich auchnicht an der exzentrischen Mutter der Prinzeß Cecilie, der GroßherzoginAnastasia, einer Tochter des Großfürsten Michael Alexandrowitsch vonRußland . Als die Verlobung zustande kam, sagte mir die Frau GroßherzoginLuise von Baden, die wie niemand sonst befähigt war, eine junge Fürstinzu beurteilen:Sie werden mit ihr zufrieden sein und das Land auch. Diejunge Prinzessin Cecilie hat mehr Welt und weitere Horizonte als die meisten