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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DER HERR WAR MIT DAVID

Behandlung des Doggerbank-Vorfalls in tiefgehender, nachhaltiger Weiseverschärft seien. Bei späterer Gelegenheit kam Seine Majestät auf diedänische Frage mit der Äußerung zurück, Dänemark werde sich entschließenmüssen, sich in irgendeiner Weise, zunächst in Form eines Zollbündnisses,sodann auch mit militärischen Einräumungen, unter den Schutz des Deut-schen Reichs zu stellen, wogegen ihm sein Besitzstand gewährleistet werde.Zu Lebzeiten König Christians werde Er, der Kaiser und König, möglichsteRücksicht walten lassen, später aber würde diese hinwegfallen. In ähn-lichem Sinne wie Seine Majestät hat sich der Generaladjutant von Plessenbezüglich Dänemarks in einem Tischgespräch zu mir geäußert. Der Generalbemerkte noch, daß es für uns im höchsten Grade erwünscht sei, nicht nurDänemark, sondern auch Holland mit seinen Kolonien in die Hand zubekommen, schon in Hinsicht auf die dringlich erforderliche Errichtungvon Kohlenstationen. Auf meine Bemerkung, daß solche Pläne nicht ohneblutige Konflikte mit nahezu allen Großmächten einschließlich Amerikas durchführbar seien, gab der General zu, daß ihre Verwirklichung vielleichtnoch in weite Fernen zu rücken sei."

Philipp Eulenburg , der den Kaiser nach seiner Rückkehr von denBrief der schlesischen Jagden gesehen hatte, schrieb mir unter dem 19. DezemberKaiserin über 1904, nicht ohne Besorgnis:In diesen komplizierten Zeiten folge ichden Kaiser j) e j nen \^ e g en m jt treuer Liebe und Teilnahme. Ganz große Politik läßtsich nur in vollkommener Ruhe und bei tiefem Schweigen machen. AlleGewehre aus seinem eigenen Gewehrschrank nehmen und damit seineFeinde bewaffnen das geht nicht. Hier ist nicht der Platz, über so ernsteDinge zu reden. Ich will damit warten, bis wir uns wiedersehen. Ich denkemir, daß es in der Weihnachtswoche sein kann. Dein treuer alter dankbarerPhilipp E." Die Kaiserin schrieb mir nach den schlesischen Jagden:DerKaiser scheint sehr zufrieden mit Jagd und Gesellschaftskreis der ver-schiedenen von ihm besuchten Häuser. Ich freue mich über diese Abwechs-lung, denn der Kaiser war durch die jetzige politische Lage so sehr ernstgestimmt. Ich habe versucht, ihn wieder freundlicher zu stimmen, indemich ihm sagte, wenn wir auch schwächer wären in der Marine, erstens istunser Menschenmaterial doch besser durchgebildet und mehr Verlaß, unddann sagte ich dem Kaiser, wie bei David und Goliath, auf Davids Seitewar die Kraft, da der Herr mit ihm war. Und das hoffe ich bei uns auch.Freilich dürfen wir die Arbeit nicht ruhen lassen, und dafür sorgen Sie undder Kaiser. Ich würde Ihnen aber doch dankbar sein, wenn Sie mir einWort senden würden, ob Sie auch so schwarz sehen. Ich habe neubch diekleine Altenburg gesehen, bin aber sehr dankbar, daß ich eine andereSchwiegertochter habe. Diese kleine Altenburg sieht schrecklich zart undlangweilig aus. Mit herzlichen Grüßen Ihre Viktoria."