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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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THEODOR BARTH

Akt staatsmännischen Wirkens". Der König von Sachsen schrieb mir, daßdies ganz besonders für Sachsen hocherfreuliche Ereignis meiner Klugheitzu verdanken wäre. Der badische Staatsminister von Brauer schrieb:Wir wissen alle, daß das Zustandekommen dieses wichtigen Vertragswerksin allererster Linie Ihrem geschickten Vorgehen zu danken ist." AusMünchen richtete der damals schon vierundachtzigj ährige PrinzregentLuitpold ein Handschreiben an mich, in dem es hieß:Mit der Annahmeder neuen Handelsverträge können Eure Exzellenz auf ein Werk zurück-blicken, das zu den schwierigsten und mühevollsten der Staatskunst gehört.Ich hoffe zuversichtlich, daß die für die wirtschaftliche Entwicklung desReichs so bedeutsamen Verträge für alle Erwerbsstände unseres deutschenVaterlandes von segensreicher Wirkung sein werden. Das Verdienst, diesesgroße Werk durch alle Schwierigkeiten hindurchgeführt und zum glück-lichen Abschluß gebracht zu haben, gebührt vor allem Eurer Exzellenz.Es gereicht mir zur wahren Freude, dies auszusprechen und Sie zu diesemneuen Erfolge Ihres mühevollen und aufopfernden Wirkens herzlichst zubeglückwünschen." In Ergänzung dieses Handschreibens schrieb mir derbayrische Staatsminister von Podewils :Die bayrischen Minister fühlensich gedrungen, ihrer Überzeugung Ausdruck zu geben, daß das gewaltigeVertragswerk, das den ökonomischen Interessen Deutschlands auf langeJahre hinaus den unschätzbaren Vorteil ruhiger, gedeihlicher Entwicklungzu sichern bestimmt ist, ohne die unermüdliche Tatkraft und weise, vongroßen Gesichtspunkten getragene Leitung Eurer Exzellenz schwerlichhätte zur Vollendung gelangen können." Freiherr von Podewils bezeichnetees gleichzeitig als die tiefgefühlte Pflicht der bayrischen Regierung, ihreminnersten Dank dafür rückhaltlosen Ausdruck zu geben, daß ich neben denallgemeinen Interessen auch den Sonderinteressen des bayrischen Landesstets volle Beachtung und Förderung hätte angedeihen lassen. Gegenüberden von freihändlerischer Seite und ganz besonders von dem Bremer Syndikus und Abgeordneten Theodor Barth gegen meine Handelspolitikgerichteten Angriffen war es mir eine Beruhigung, daß der Präsident desNorddeutschen Lloyd, dem ebenso wie der Hamburger Hapag mein be-sonderes Interesse galt, die Überzeugung aussprach, die neuen Handels-verträge, die in erster Linie der Tatkraft und Energie des Reichskanzlerszu verdanken wären, würden dem deutschen wirtschaftlichen Leben reichenSegen bringen. Vielleicht die größte Freude bereitete mir das nachstehendeTelegramm meines alten Freundes, des Poeten Adolf Wilbrandt , ausRostock:Sie haben in diesen letzten Jahren und Wochen ein großes StückIhres Lebenswerks vollendet, nicht etwas Makelloses, das noch niemandvom Himmel herunterholte, oder gar das allen Genügende, das beimSchöpfer in den Winkern der schreienden Unmöglichkeiten schlummert,