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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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MINISTER BUDDE

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aber ein großes Werk voll Patriotismus, Klugheit und Tatkraft, bei demwir ehrenvoll und kräfte6pannend weitergedeihen mögen, das segne Gott !Lieber Freund, ich beglückwünsche Sie von ganzem Herzen." Der Kaiserrichtete ein Handschreiben an mich, in dem es hieß:Gern und freudigerkenne Ich an, daß es vornehmlich das Verdienst Ihrer staatsmännischenKunst und Ihrer zielbewußten Leitung der Verhandlungen gewesen ist,daß dieser schöne Erfolg trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeitenerreicht worden ist. Ihnen gebührt daher in erster Linie Mein Dank, den IchIhnen von ganzem Herzen ausspreche, und Ich bitte Sie zugleich, alsäußeres Zeichen Meiner Anerkennung und Meines Wohlwollens MeineBüste in Marmor freundlichst anzunehmen." Die Unterschrift dieses Hand-schreibens lautete:Ihrer treuen Dienste allezeit eingedenk, verbleibeIch Ihr dankbarer Kaiser und König Wilhelm, I. R." Das Wortallezeit"hatte Seine Majestät dick unterstrichen. Auf meinen Vorschlag verlieh derKaiser meinem hochverdienten Mitarbeiter, dem Grafen Posadowsky, denSchwarzen Adlerorden und ernannte den Staatssekretär von Richthofen,der sich um das Zustandekommen der Handelsverträge ebenfalls sehr ver-dient gemacht hatte, zum preußischen Staatsminister.

Seit Jahr und Tag spielte in unserer inneren Politik die Kanalfrage einegroße Rolle. Sie hatte viel Staub aufgewirbelt, sie hatte sehr zur Vergiftung Annahme derder inneren Atmosphäre und unserer inneren Politik beigetragen. Dem KanalvorlageKaiser schwebte, wie nicht selten, ein gutes Ziel vor, würdig des Schweißesder Edlen. Um so verfehlter war seine Taktik, bald zu drohen und zu toben,dann wieder alle Hoffnung aufzugeben. In langwierigen Besprechungenund Beratungen erreichte ich schließlich, daß die Kanalvorlage am 27. Fe-bruar 1905 mit 256 gegen 132 Stimmen angenommen wurde. Eine Reiheführender Konservativer war einsichtig genug, für die Vorlage zu stim-men, unter ihnen Wartensleben -Rogasen und Wartensleben-Sehwirsen,Pappenheim, der Chefredakteur derKreuzzeitung " Dr. Kropatschek,Arnim-Züsedom, Saldern-Plettenburg, Bülow-Bothkamp, Bülow-Bossee,Putlitz. Das Hauptverdienst an dem endlichen Zustandekommen desgroßen Werks hatte der Minister der öffentlichen Arbeiten, Budde. Der alteObrigkeitsstaat hat viele hervorragende Beamte und Offiziere hervor-gebracht, kaum einen tüchtigeren Mann als Hermann Budde . Sein Lebenverdiente auch in den Schulen des neuen Deutschland , wo leider nur zuvieleRepublikaner " mit flachem Verstand und kurzem Gedärm alle Er-innerungen an bessere Zeiten in Vergessenheit bringen möchten, unsererheranwachsenden Jugend als Vorbild erzählt zu werden, damit sie lerne,was ein Mann ist. In Bensberg bei Köln geboren, aus dem Kadettenkorpshervorgegangen, war er als blutjunger Offizier im Deutsch -FranzösischenKrieg durch die Brust geschossen worden, leistete trotzdem nach dem Krieg