Druckschrift 
2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

%

INDUSTRIE GEHALT UND MINISTEREINKOMMEN

noch einige Jahre Frontdienst, wurde aber dann in den Generalstab ver-setzt, wo seine Vorgesetzten bald seine ungewöhnliche Begabung für dasEisenbahnwesen erkannten. Er nahm 1900 seinen Abschied als General-major. Seine Befähigung war so allgemein bekannt und anerkannt, daßmehrere große industrielle Unternehmungen sich bemühten, ihn als Mit-arbeiter zu gewinnen. Er entschied sich für die Waffenfabrik Löwe, die ihnmit einem für damalige Verhältnisse sehr hohen Gehalt anstellte. Als derRuf an ihn erging, Minister der öffentbchen Arbeiten zu werden, fuhr ichmit ihm von Berlin nach dem Neuen Palais in Potsdam , um ihn dem Kaiservorzustellen. Er erzählte mir unterwegs, daß es ihm schon mit Rücksichtauf Frau und Kinder nicht leicht falle, das große Gehalt und die nochgrößeren Tantiemen, die er jetzt beziehe, mit dem bescheidenen Einkom-men eines preußischen Ministers zu vertauschen. Er sei aber jederzeit bereit,persönliche Neigungen und alle materiellen Rücksichten dem staatlichenInteresse unterzuordnen. Während er noch für die Kanalvorlage focht,wurde er von schwerer Krankheit befallen, einem sich rapide entwickelndenKrebsleiden, das nicht nur von Anfang an unheilbar und hoffnungslos er-schien, sondern ihm auch entsetzbche körperliche Schmerzen verursachte.Er 6tand aber bis zum letzten Hauch auf der Bresche. Auf meine Bitte ver-lieh der Kaiser, gern und mit Freuden, dem heldenhaften Mann auf seinemSterbebette den Schwarzen Adlerorden. Frau Budde schrieb mir nach derVerleihung:Eure Exzellenz wissen die schweren Stunden, welche wirdurchgemacht haben, und daß mein Mann mit den größten körperüchenSchmerzen seine ihm gestellte Aufgabe gelöst hat. Bange Sorgen haben michoft dabei erfüllt und wollen auch für die Zukunft nicht weichen. Daß esaber meinem Gatten noch vergönnt worden, diesen Erfolg zu erleben,dafür bin ich unendlich dankbar. Gott gebe, daß mein Mann seine alteGesundheit wiederfindet, dann wird auch seine letzte Kraft dem Vaterlandegehören." Der Minister Budde starb im Frühjahr 1906. Seine junge undschöne Frau folgte ihm wenige Jahre später in die Ewigkeit. Ein Brudervon ihm war der bekannte protestantische Theologe, der über althebräischeLiteratur und biblische Geschichte wertvolle Schriften veröffentlicht hat.

Nach der Armahme der Kanal vorläge dankte mir der Kaiser telegraphischauf das wärmste" für dieebenso geschickte wie tatkräftige Förderung derKanalpläne". Herr von Heydebrand-Nassadel, oratorisch und dialektischnicht so begabt wie sein Vetter auf Klein-Tschunkawe, aber besonnenerund einsichtiger, schrieb mir:Eure Exzellenz wollen geneigtest auch mireinen aufrichtigen Glückwunsch gestatten. Nicht allein zu dem Aller-höchsten Gnadenbeweis, sondern vor allem zu dem Monumentum aereperennius, welches Eure Exzellenz sich selbst dadurch gesetzt haben, daßdie deutsche Landwirtschaft, auch wenn ihre Wünsche nicht alle erfüllt sind