DER PLAN MIT DEM KRONPRINZEN
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prinzen eingeladen, ohne zuvor, wie dies sich gehöre, ihm, dem Kaiser,Nachricht zu geben. Dem Kronprinzen gegenüber habe der König sogarwider besseres Wissen behauptet, er hätte sich des Einverständnisses desKaisers vorher versichert, und daraufhin habe damals der Kronprinz dieEinladung angenommen. Er, der Kaiser, habe dann mit vieler Mühe demKronprinzen klarmachen müssen, daß er als Verlobter unmöglich sich dortin England von all den Damen den Hof machen lassen könne. Jetzt,nachdem der König ihn selbst, den Vater, so ostentativ gemieden, fange erwieder damit an, seinen Sohn ,hintenherum' einzuladen. Der König ver-folge damit den doppelten Zweck: einmal, seinen Sohn mit seinem Vater zuentzweien, und dann wolle er nach altem englischem Rezepte sich hiereines Mitgliedes der Familie versichern, das ihm als Spion und Kundschafterdienen und das er nach Gutdünken für seine Interessen benutzen könne.Mit Geschick habe sein Onkel denjenigen seiner Söhne herausgefunden,der am leichtesten für solche Pläne einzufangen sei. Der Kronprinz seiblind in seiner Bewunderung Englands und könne den Reizen des dortigenLebens und der schönen Engländerinnen nicht widerstehen. Die Einladungdes Kronprinzen sei eine ,offene Beleidigung' für ihn, den Kaiser, nachallem, was vorhergegangen. Ihre Majestät unterstützte den Kaiser in seinerAuffassung. Es soll nun der Kronprinz telegraphisch antworten, er könnewegen des Besuchs des Königs von Spanien (der in der Woche zwischendem 5. und 12. November nach Berlin kommen soll) die Einladung leidernicht annehmen. General von Plessen wurde später auch ins Geheimnisgezogen und äußerte, bei dem Charakter des Kronprinzen sei es zweifellos,daß er von König Eduard und den dortigen Damen völlig ,eingewickelt'werden würde. General von Plessen sagte mir noch heute abend, der Kaiserhabe befohlen, daß er und General Löwenfeld sich unauffällig währenddes Besuchs der englischen Flotte in Swinemünde aufhalten sollten, umden Gang der Dinge an Ort und Stelle zu beobachten und dann zu berichten.Ich habe General von Plessen eindringlich vorgestellt, daß seine Anwesen-heit in Swinemünde doch nicht geheim bleiben werde und daß es einen sehrschlechten Eindruck machen werde, wenn er bei seinen nahen Beziehungenzu S. M. dort quasi als Geheimagent des Kaisers auftauche. Auf meineVeranlassung ist nun zunächst an den General von Löwenfeld, und zwarchiffriert, durch das A. A. die Weisung ergangen, in Zivil dorthinzugehen.Plessen will S. M. bitten, von seiner Entsendung abzusehen. Am letztenTage seiner Anwesenheit in Wilhelmshöhe kam Max Fürstenberg noch zumir und erzählte mir ganz erregt, S. M. habe ihm gegenüber in solchenAusdrücken über König Eduard gesprochen, daß er noch ganz perplex sei.Er könne mir gar nicht wiederholen, was der Kaiser gesagt habe; und auchauf den österreichischen Botschafter in London , Graf Mensdorff, scheine