KAISERLICHE PRÄSENTE
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der nach Überwindung unendlicher Gefahren und Schwierigkeiten dieTochter des Königs Belli, die schöne Ingibjorg, trotz des Widerstandsihrer bösen Brüder, Helgi und Halfdan, zur Gemahlin errang, am norwe-gischen Strande ein prächtiges Denkmal errichtet. Aber die politischenSympathien der Norweger gingen wie ihr Handel und ihre Schiffahrt über-wiegend in englischer Richtung. Die Errichtung eines Monuments für denwackeren Frithjof war ebensowenig von dauernder Wirkung wie dasGeschenk eines Denkmals des größten Preußenkönigs an die VereinigtenStaaten, die Errichtung eines Goethe-Denkmals in Rom , eines Denkmalsfür König Wilhelm III. von England in London . Als das letztgenannteMonument seinen Weg nach England genommen hatte, legte ich demKaiser einen Ausschnitt aus der „Times" vor, derzufolge im englischenParlament angefragt worden war, was die englische Regierung mit dieserseltsamen Gabe zu tun gedenke. Ein schlagfertiger Vertreter des ForeignOffice auf der Regierungsbank hatte geantwortet, die Regierung beab-sichtige, das Denkmal König Wilhelms III., der ein Oranier gewesen wäre,vor einer Orangerie aufzustellen. Hinter dieser Bemerkung verzeichnete derParlamentsbericht: „Loud and general laughter." Auch das machte denKaiser nicht irre in seiner Neigung, andere Völker und Staaten durchGeschenke zu erfreuen. Für Wilhelm II. traf, ein Beweis seiner gutmütigenVeranlagung, die englische Wendung zu: to enjoy one's seif. Anderen Auf-merksamkeiten zu erweisen, sich anderen gegenüber generös und nobel zuzeigen, bereitete ihm selbst den größten Spaß. Es gelang König Eduard ,den Norwegern als König des selbständig gewordenen Norwegen den mitseiner dritten Tochter, der Prinzessin Maud, verheirateten Prinzen Karlvon Dänemark, den zweiten Sohn des Königs Friedrich VII. von Dänemark ,mundgerecht zu machen. Die junge Prinzeß, die bis dahin mit ihrem Gatteneine reizende Cottage in der Nähe von Sandringham bewohnt hatte,empfand gar keine Lust, das großartige und bequeme englische Leben miteiner weit weniger brillanten Existenz in dem melancholischen Christiania (jetzt Oslo genannt) zu vertauschen. Sie sagte zu ihrem Vater, sie wollelieber auf dem kleinsten englischen, ja selbst irischen Pachthofe sitzen alsauf dem norwegischen Thron. König Eduard , der bei aller Bonhomie inseiner Familie keinen Widerspruch duldete, erwiderte seiner Tochter aufihre Klagen und Bitten: „Prinzessinnen haben nicht Liebhabereien, son-dern Pflichten." Prinz Karl nahm den echt norwegischen Namen Haakonan mit der Chiffre VII., da es in fabelhaften Zeiten schon sechs norwegischeKönige mit dem Namen Haakon gegeben hat, darunter Haakon den Alten,der sich im dreizehnten Jahrhundert Island und Grönland unterwarf. Desjungen Königs Haakon Söhnchen, das 1905, bei der Erhebung des Vatersauf den Königsthron, noch nicht zwei Jahre alt war und bis dahin Alexander