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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE ENGLISCHE PRESSE MALIZIÖS

hieß, wurde in Olav umgetauft. König Oskar von Schweden, der währendseiner langen Regierung mehr nach dem Lorbeer des Dichters als nach demdes Monarchen gestrebt hatte, empfand den Abfall der Norweger sehrbitter. Als er mir bei seiner Durchreise durch Berlin davon sprach, wurdeer von einem Weinkrampf überwältigt und fiel mir schluchzend um denHals. Ich sah keinen Anlaß, in diesem skandinavischen Zwist, nachdem dieTrennung erfolgt war, Partei zu ergreifen. Als König Haakon VII . am25. November 1905 in Christiania landete, wurde er auf meinen Vorschlagnicht nur von englischen, sondern auch von deutschen Kriegsschiffenbegleitet, und Prinz Heinrich von Preußen , der Bruder Seiner Majestät,wohnte den Feierlichkeiten der Thronbesteigung bei.

Wenn die Sprache der englischen Presse während des ganzen JahresDer Prinz von 1905 im allgemeinen recht unfreundlich gewesen war, die Haltung desWalen gegen Königs Eduard , gelinde gesagt, undurchsichtig und maliziös, so warenantideutsche j ense jt 8 des Kanals doch auch vernünftige Stimmen laut geworden. Als einAgitation g ewor( j ener englischer Seeoffizier, der Vizeadmiral a. D. Fitzgerald,noch dazu in derDeutschen Revue" auseinandersetzte, ein baldigerKrieg zwischen England und Deutschland sei unvermeidlich, wenn Deutsch-land seine Flotte weiter verstärke, wurde dieser Ausfall von der großenMehrheit der englischen Presse zum Teil mit Schärfe abgelehnt. Erfreulichwar und gute Hoffnungen für die Zukunft erweckte die ruhige Spracheund Haltung des damaligen Prinzen von Wales, des nachmaligen KönigsGeorg V. Darüber schrieb mir der Botschafter Metternich:Ich habe gesternbei König Eduard diniert und saß neben dem Prinzen von Wales. DerPrinz besprach mit mir die Arthur Leesche Rede, die er als eine Ungeschick-lichkeit ohne böse Absicht hinstellte. Er verwies den Gedanken kriegerischerAbsichten Englands gegen Deutschland in das Gebiet der Fabel und sprachsich sehr heftig gegen die Zeitungen im allgemeinen und besonders gegendie ,Times' aus. Die Verhetzungen dieses Blattes wären unerhört. Diehiesige Regierung sei diesem Treiben gegenüber aber machtlos. Er könnenicht verstehen, wie man in Deutschland an kriegerische Absichten Eng-lands habe glauben können. A rotten paper, wie die ,Army and NavyGazette', habe gar nichts zu bedeuten, ebensowenig wie das sogenannte,Court Journal', das außer seinem selbstverliehenen hochtrabenden Namenmit dem hiesigen Hofe nicht mehr zu tun habe wie die ,Daily Mail'. Kriege-rische Verwicklungen zwischen England und Deutschland seien so sehrgegen das Interesse der beiden Völker und gegen den gesunden Menschen-verstand, daß er für seine Person es ausgeschlossen halte, daß es jemalsdazu kommen könne. Das größte Unglück, das die Welt treffen könne, sei,seiner Ansicht nach, ein Krieg zwischen England und Frankreich oderzwischen England und Deutschland oder zwischen Deutschland und