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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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KYRILLS EHE

Kyrill sein Versprechen gehalten, bis dahin zu warten. Wir haben in diesenvier Jahren alles getan, um diese Ehe zu verhindern; die Herzen wolltenaber nicht voneinander lassen, und so war es schließlich für Kyrüls Namenund Ehre besser, die Sache endete mit einer Heirat. Daß die Sache hiernicht ganz glatt verlaufen würde, wußten wir und waren auf einige momen-tane Unannehmlichkeiten gefaßt. Die blinde Rachsucht und Wut der jungenKaiserin hat aber alles übertroffen an Bosheit, was die wildeste Phantasiesich ausmalen könnte. Sie hat wie eine Wahnsinnige getobt und gewütet,ihren schwachen Mann mit fortreißend, der ihr seine Macht hergab, um anihrer Ex-Schwägerin sich zu rächen in dem Mann ihrer Wahl. Man hat ge-handelt, als ob ein furchtbares Verbrechen begangen worden sei, und sogerichtet. Dieses Wüten gegen einen Großfürsten, der ein Opfer des Kriegesist, der sich einen Namen in Port Arthur machte, der eine ebenbürtigeFrau sich wählte, der, statt zu desertieren wie die anderen, gleich herkam,sich seinem Kaiser zu stellen zur Sühne! Dem Sohn des ältesten Onkels,der seit fünfundzwanzig Jahren unermüdlich und treu an der Spitze derhiesigen Truppen steht, hundertmal den Kaiser herausgerissen hat usw.,und das in diesem Moment, das ist den Menschen doch zuviel, und es gehtein furchtbarer Aufschrei der Entrüstung durch alle Klassen der Bevölke-rung. Wladimir hat infolge der entehrenden Behandlung seines Sohnes seineEntlassung eingereicht, denn er, der Treuste der Treuen bisher, sagt, erkönne mit den Gefühlen jetzt im Herzen gegen den Kaiser ihm nicht mehrdienen. Die Truppen sind sehr aufgebracht, daß sie ihren geliebten Führerverlieren sollen, und ich weiß, daß von allen Seiten in den Kaiser gedrungenwird, ihm klarzumachen, es läge Gefahr darin, diesen Onkel gehen zulassen. Darum verzögert sich die Antwort nun schon seit sechs Tagen. Aberich glaube nicht, daß Wladimir bleiben kann, auch auf eine Bitte des Kaisershin nicht, außer man rehabilitiert unseren Sohn. Was der Sache die Kroneaufsetzt, ist, daß Kyrill mit Genehmigung des Kaisers herkam, seineHeirat ihm zu melden, und daß ihm gerade dies Herkommen als Haupt-schuld angerechnet wird. Du, beber Onkel, mußt glauben, daß dies so nichtmöglich ist; aber, leider, hier ist jetzt alles möglich, und wenn ich hinzu-füge, daß diese Genehmigung ohne Wissen der Kaiserin gegeben wurde,wirst Du Dir wohl ein genaues Bild der Situation machen können. Also eswurde so gehandelt: Kaum war Kyrill angekommen, erschien der Haus-minister mit dem Befehl, sofort Rußland wieder zu verlassen. Die Kaiserinwollte, noch an demselben Abend, aber das wäre nur im Luftballon möglichgewesen. Dann Ausstreichen aus Flotte und Armee. Verlust aller Uni-formen und Grade; Verlust seines Chefregiments, bei seiner Geburt vonseinem Großvater ihm verliehen. Verlust seiner Apanagen: Verlust seinesNamens und Titels und ewige Verbannung. Die Sache mit dem Namen