HASS DER SCHWÄGERINNEN
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mußte der Kaiser einige Tage darauf zurücknehmen, da ihm alle Ministerklarmachten, daß er dies einfach nicht könne. Und warum das alles?Weil die Kaiserin die gehaßte Ex-Schwägerin nicht in der Familie hahenwill, denn alle anderen Gründe sind Formsachen, die sich leicht arangierenließen, denn gegen die Ehre ist nichts in dieser Heirat, wenn wir sie auchnicht wünschten. Wir haben schwer gelitten und leiden noch. Dabei machtmir Wladimirs Gesundheit Sorge. Der Kaiser weiß, daß starke Emotionenihm gefährlich sind! Aber das zählt alles nicht. Denke unserer! DeineMaria."
Ich habe bei einem früheren Anlaß erwähnt, daß die GroßherzoginViktoria-Melitta von Hessen, eine Tochter des Herzogs Alfred vonKoburg und der einzigen Tochter des Kaisers Alexander II. von Rußland,sich 1901 hatte scheiden lassen, um vier Jahre später ihren Vetter, denGroßfürsten Kyrill Wladimirowitsch von Rußland zu heiraten. Die KaiserinAlexandra Feodorowna von Rußland , die mit großer Liebe an ihrem Bruder,dem Großherzog Ernst Ludwig , hing, haßte seitdem ihre frühere Schwägerin.Sich selbst überlassen, würde der schwache Nikolaus II. gegen seinen VetterKyrill und dessen Gattin schwerlich etwas unternommen haben. Die willens-stärkere Kaiserin aber ruhte nicht, bis dem jungen Großfürsten in einer fürihn und seine Eltern allerdings sehr verletzenden Weise sein Regiment,seine Uniform, seine Apanage genommen und er gleichzeitig für immer ausRußland verbannt wurde. Die Sache machte in der Petersburger Gesell-schaft böses Blut und trug erheblich dazu bei, Kaiser Nikolaus im Lichteeines Schwächlings und Pantoffelhelden, seine in mancher Hinsicht edle,aber unglücklich veranlagte Gemahlin als hysterische Närrin, wie sie imvertrauten Kreise die jungen Großfürsten nannten, erscheinen zu lassen.Die Großfürstin Wladimir und ihre Söhne nährten seitdem für den großenHof, die Kaiserin, den Kaiser und den kränklichen Thronfolger die Ge-fühle, die das Haus Orleans von Philipp Egalite bis zu Louis Philippe fürdie ältere Linie Bourbon empfunden hat. Wie weit die „Wladimirowitschs"an dem Sturz des Kaisers Nikolaus beteiligt waren, wird schwer festzu-stellen sein. Nach dessen Abdankung erließen die jungen Großfürstenöffentliche Erklärungen, in denen sie sich vom Kaiser lossagten und dessenunglückliche Gemahlin in gehässiger und roher Weise beschimpften. VielGlück hatte ihnen diese Felonie nicht gebracht. Die ungeheure Welle desBolschewismus ging bald genug auch über sie hinweg.
Beim Rückblick auf das bewegte Jahr 1905 muß ich noch des Kaiser-manövers in der Rheinprovinz gedenken, das in der ersten Septemberhälfte Bülowsauch mein hebes Regiment nach Koblenz führte. An der Spitze des 8. Ar- Freund Adolfmeekorps stand damals mein alter Regimentskamerad und Freund Adolf Deinesvon Deines. Er war einer der wenigen wirklich guten Menschen, die mir
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