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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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Ä LA SUITE

Wechsel imPreußischenMinisterium

des Innern

und gleichzeitig, um mit Goethe zu sprechen, ein wahrhafter Deutscherwar. Adolf von Deines starb nicht lange vor Beginn des Weltkriegs an denFolgen einer schweren Operation unter großen Schmerzen. Zu der ihnpflegenden Diakonissin sagte er:Ich klage nicht über die Schmerzen, dieich empfinde. Aber, liebe Schwester, der Tod auf dem Schlachtfeld ist dochschöner." Während des Manövers ließ mich der Kaiser zu meiner Freudezweimal mein altes Regiment vorbeiführen, im Trabe und im Galopp. Alsich nach dem Vorbeimarsch mit der vorschriftsmäßigen Volte mich linksvon Seiner Majestät postierte, sagte mir Deines, der neben dem Kaiserhielt:Das du die Volte so schön geritten hast, macht Seiner Majestätmehr Spaß, als wenn du ihm die längsten Denkschriften schmiedest."Ich begrüßte später die Offiziere meines Regiments, von denen ein Jahrzehntspäter viele ihre Treue für König und Vaterland mit ihrem Blute besiegelnsollten. Auch im Weltkrieg hat das Königshusaren-Regiment, an dessenSpitze im vergangenen Jahrhundert Graf Karl Lazarus Henckel von Don-nersmarck, Graf Eduard von Oriola, ' Graf Carl von der Goltz, der FreiherrWalter von Loe , der Prinz Heinrich XIII. Reuß, Karl von Colomb, Richardvon Winterfeld und Friedrich von Hertzberg gestanden haben, seinem altenkriegerischen Ruhm Ehre gemacht! und neue Lorbeeren um seine stolzeStandarte geflochten.

Während des Manövers, unmittelbar nach dem Parademarsch, über-reichte mir der Kaiser das Patent, durch das er mich zum General ä lasuite der Armee mit der Uniform des Königshusaren-Regiments ernannte.Das Patent lautete:Hochgeborener Fürst! Es ist mir besonders er-freubch, Ihnen an dem heutigen Tage einen erneuten Beweis Meiner wohl-wollenden Gesinnungen dadurch zu geben, daß ich Ihnen, unter Belassungder Uniform des Husaren-Regiments König Wilhelm I. (1. RheinischesNr. 7), hierdurch den Charakter als Generalmajor verleihe. Ich verbleibemit besonderer Wertschätzung des Herrn Fürsten wohlgeneigter und stetsdankbarer Wilhelm R." Die Schlußworteund stets dankbarer" warenvon Seiner Majestät eigenhändig hinzugefügt und das Wortstets" doppeltunterstrichen worden.

Im März 1905 war der Minister des Innern, der biedere Freiherr Hans vonHammerstein , einem Herzschlag erlegen. Bei ihm wie ein Jahr späterbei Richthofen war Überarbeitung die eigentbche Todesursache. Hammer-stein starb so arm, und die Witwenpensionen waren damals so bescheiden,daß die Famibe des Staatsministers kaum die Beerdigungskosten und dieKosten für den Umzug in ihr Lüneburger Häuschen bestreiten konnte.Wenn ich angesichts solcher Einfachheit und Genügsamkeit auf die in denAnfängen der Republik bei uns eingerissene Unwirtschaftbchkeit Micke,so möchte ich den Machthabern jener Zeit zurufen, was bei Vergil der