BETHMANN HOLLWEG WIRD MINISTER
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König Euander dem frommen Aeneas sagt, als er ihn unter den Giebel deseng umschließenden Hauses führt/
Aude, hospes, contemnere opes, et te quoque dignumFinge Deo, rebusque veni non asper egenis.
Als Nachfolger des Freiherrn von Hammerstein wählte ich Herrn Theo-bald von Bethmann Hollweg, der sich als Regierungspräsident von Brom-berg wie als Oberpräsident von Brandenburg wohl bewährt hatte, auchvom Kaiser gewünscht wurde, dem sein redliches, freilich sehr untertänigesWesen gefiel. Weniger zufrieden mit dieser Wahl war der Führer der Kon-servativen im Landtag, Herr von Heydebrand, der mir sagte: „Als Mi-nister des Innern brauchen wir einen Mann mit fester Hand und Rückgrat.Einen Mann wie Fritz und Botho Eulenburg, Puttkamer, Koller. Statteines Mannes geben Sie uns einen Philosophen." Bethmann Hollweg hatteeinen ausgesprochen doktrinären Zug und nahm schon als Minister desInnern meine Zeit ungebührlich mit langatmigen Denkschriften in An-spruch, in denen er seine Pläne einer „Vergeistigung" des preußischen Staatsunter gleichzeitiger „Ertüchtigung" des deutschen Volkes durch preußi-sches Wesen mehr akademisch als praktisch realisierbar entwickelte.