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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE POTS CASSES

politische Störungen drohen, werden sie selbst bei dem Könige vermittelndeinzugreifen versuchen, da seine Untertanen nicht die geringste Lust haben,sich an den Deutschen die Köpfe blutig zu rennen, weü der Onkel den Neffennicht mag. Seine Majestät König Eduard ist klug genug, selbst einzulenken,sobald er empfindet, daß er zu weit gegangen ist. Nur muß man den Prozeßdieser Erkenntnis den Engländern selbst überlassen. Sollten wirirgend etwas tun, was so gedeutet werden kann, als wollten wir die Eng-länder gegen ihren eigenen König einnehmen, so würden sie einstimmig fürihn einstehen und gegen uns Front machen. Die Beziehungen zwischenSouveränen in die Zeitungen zu zerren, ist überhaupt unangebracht. Indiesem Falle würde es außerdem direkt fehlerhaft sein. Ich werde hier nachwie vor vollkommen unbefangen auftreten und versöhnend und beruhigendwirken, wo sich mir eine Gelegenheit dazu bietet. Falls Seine MajestätKönig Eduard mit mir über die Einladung des Kronprinzen anfängt, werdeich ihm in der entsprechenden Form zu verstehen geben, daß es nichtfreundlich ist, den Sohn ohne Wissen des Vaters einzuladen in dem Augen-blick, wo man einer Begegnung mit dem letzteren ausweicht und zu ver-stehen gibt, daß man nichts mit ihm zu tun haben will. Das Argument, daßdie Anwesenheit des Kronprinzen in Berlin während des Besuchs des Königsvon Spanien ebenso notwendig ist wie die Anwesenheit des Prinzen vonWales in London während des gleichen Besuchs, werde ich deshalb nichtverwerten können, weil König Eduard , ehe er den Kronprinzen einlud,sich in Madrid nach dem Datum des spanischen Besuchs in Berlin erkundigthat und den Kronprinzen nach Ablauf des spanischen Besuchs in Berlin nach England eingeladen hatte. Ich bedaure die Haltung eines wichtigenTeils unserer Presse in ihrer Stellungnahme gegen das englisch -japanischeBündnis. Dieses vertritt seinem Wortlaute nach genau unsere erklärtePolitik: Integrität Chinas, Aufrechterhaltung des Status quo, Gewähr-leistung des Besitzstandes der einzelnen Mächte in Ostasien , Gleichberech-tigung des Handels für alle. Wir können abwarten, ob der Geist des neuenAbkommens sich gegen unsere Interessen richten wird. Es ist von unseremStandpunkte aus unnütz und gefährlich, einen deutsch -russischen Gegen-satz gegen das englisch -japanische Bündnis zu konstruieren; denn dieselbeRolle wie Frankreich in einem deutsch-englischen Kriege würde Deutsch-land in einem russisch -englischen Krieg, in den wir verwickelt würden,spielen, d. h. wir würden die Pots casses zu zahlen haben. Eine deutsch-russische Annäherung sollte sich mit Frankreich, nicht mit England beschäftigen. Sie sollte Frankreich entweder kaltstellen oder zu uns hinüber-ziehen, obwohl es nicht ausgeschlossen ist, daß es dann auch ganz zu denEngländern übergeht. Eine deutsch-russische Annäherung mit der Spitzegegen England bringt uns gar keinen Nutzen, sondern nur Schaden und