DER MANN IM MOND
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Gefahr, aus dein einfachen Grunde, weil, wie ich schon kürzlich mir erlaubtezu sagen, die russische Hilfe gegen England für uns ungefähr so viel wertist wie die des Mannes im Mond. Eine Flotte besitzt Rußland nicht, unsereHäfen und unseren Handel kann es nicht schützen, und sein Landheer kannuns gegen England nichts nützen. Dagegen würden wir uns unter Um-ständen noch die Japaner auf den Hals ziehen und Kiautschou verlieren.Deshalb sollten wir das englisch -japanische Bündnis möglichst in Ruhelassen und es den Russen, die Grund dazu haben, allein überlassen, sichdarüber aufzuregen."
\i~ ' Metternich hatte nur zu recht, wenn er die fortgesetzten Entgleisungendeutscher Blätter gegenüber England tadelte. Es war taktlos, die Streitig-keiten zwischen Onkel und Neffen in die öffentliche Diskussion zu ziehen.Es war ungeschickt, gegen das englisch -japanische Bündnis von vornherein,noch dazu mit wenig glücklichen Argumenten Sturm zu laufen. Am 19. Ok-tober schrieb mir Metternich mit dem Vermerk „ganz geheim" über dasgleiche unerquickliche Thema: „Aus Andeutungen, die mir aus Hof kreisenseit meiner Rückkehr nach England gemacht worden sind, entnehme ich,daß die Verstimmung König Eduards gegen S. M. den Kaiser außer derPolitik auch zum großen Teil auf Äußerungen zurückzuführen ist, dieunser AUergnädigster Herr in diesem Jahre in Kiel im Kreise von fremdenGästen, hauptsächlich Amerikanern, gemacht zu haben scheint. SolcheÄußerungen kommen stets wieder hierher zurück, gewöhnlich in vergrößer-tem und entstelltem Maße. S. M. soll sich im Jachting -Kreise über die lie-derliche engbsche Gesellschaft und über die Beziehungen König Eduardszu Mrs. Keppel ausgelassen haben. In dem letzteren Punkt ist KönigEduard sehr empfindlich, und es soll ihn das mehr als alles aufgebrachthaben. Ich schreibe Ihnen dies nicht als Klatsch, sondern damit Sie überdie Gründe der in höchstem Grade beklagenswerten tiefen Entfremdungzwischen den beiden nahe verwandten Souveränen möglichst genau orien-tiert sind. Ich glaube nicht, daß sich vorläufig irgend etwas Ersprießlicheszur Annäherung der beiden hohen Herren tun läßt. Graf Seckendorff hatdem Könige vor einiger Zeit geschrieben, es sei seine Pflicht, sich mit demKaiser auszusöhnen. Über diesen Brief hat der König bemerkt, es sei eineImpertinenz, ihm vorschreiben zu wollen, was seine Pflicht sei. So weitdies unerfreuliche Thema. Hoffentlich entsteht keine deutsche Preßfehdegegen Lord Lansdowne auf Grund des Artikels der ,Neuen Freien Presse '.Es würde das nicht nur die Stellung des Ministers hier stärken, sondernauch seiner Partei zugute kommen, zum Schaden der Liberalen, die offenauf eine Aussöhnung mit Deutschland hinarbeiten."
Am 3. November 1905 erhielt ich von Metternich die nachstehendenZeilen: „Ich weiß bestimmt, aus sicherster Quelle, daß König Eduard den