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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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WILHELM II. UND DER SPEKULANT

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hingen Gemälde von Tizian, Rembrandt und anderen Großen. Der BriefSeiner Majestät lautete:Lieber Bülow. Gestern war der berüchtigteBörsenfreund und Spekulant of H. M. E. VII., Herr Beit, bei Mir, um Mirden illustrierten Katalog seiner Kunstschätze vom guten Bode gemachtzu überreichen. Nachdem Ich alles gebührend bewundert und ihm dieWohnung Friedrichs des Großen gezeigt hatte, kam bald das Gespräch aufMarokko und die Beziehungen von England zu Deutschland . Auf MeineBemerkung, es sei sehr erfreulich, daß von hüben und drüben in Versamm-lungen pp. die Leute sich regten und trachteten, die Reibungen zu mindern,fiel er mit seiner hastigen Lebhaftigkeit ein, voll zustimmend, und um somehr, als England ja gar nichts von uns wolle als mit uns in guten Bezie-hungen sein. Nur Marokko sei ein dunkler Punkt. Auf Meine Frage, weshalb,erwiderte er: weil in England die Ansicht vorherrsche, wir wollten denFranzosen den Krieg machen, weil sie mit England das Abkommen ge-troffen und die ,Entente cordiale ' geschlossen hätten. Ich bemerkte dazu,,es sei höherer Blödsinn'. Die Engländer könnten mit Frankreich so viel,ententes cordiales' machen, wie sie wollten, das wäre uns ebenso egal wieder gallo-russische Zweibund, der uns auch nicht erschüttert hätte. DasAbkommen betreffend, so habe England seine Interessen an Frank-reich abgetreten, also sich ,desinteressiert', das ginge uns auch nichts anund sei lediglich Englands Sache, allein damit nicht genug, habe es Frank-reich Vorzugsrechte auf Kosten der anderen Staaten und deren Interessenzugebilligt, und das gehe nicht an, da dadurch die Konvention von Madrid geschädigt werde. Wie es anderen Staaten in unter französischem Protek-torat stehenden Ländern ergehe, zeige ja Tunis, Algier und, setzte Beithinzu, ,Madagaskar'. Das habe uns allen in Marokko gedroht, und daswollten wir nicht. Zudem sei es doch recht unmanierbch gewesen, daßniemand es für gut befunden, uns das geringste über das Abkommen, indem unsere Rechte ignoriert würden, mitzuteilen. Dazu die engHschenIntrigen in Paris , die durch die Delcasseschen Enthüllungen herausgekom-men, wären Grund genug, daß wir uns nicht in der rosigsten Laune befän-den. Sondern eben den Eindruck hätten, zwei Buschkleppern uns gegen-über zu befinden, die einen nach Verabredung beim Spazierengehen zuüberfallen sich anschickten; dann griffe man eben zum Revolver! Lebhaftunterbrach Mich Herr Beit und erklärte: Was das in den Delcasse-Enthül-lungen erwähnte Angebot beträfe mit bewaffneter Hilfe, so ,sei das nurin dem Falle gemeint gewesen, falls Deutschland Frankreich unrechtmäßigerweise überfiele'! England fühle eben durch die,entente cordiale' sich an Frankreich in der Marokko -Frage fest gebundenund werde die französischen Ansprüche unterstützen, weil das im Abkom-men so bedungen sei und sie die französische Freundschaft sich absolut