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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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ADMIRALE NACH TISCH

wegen Marokkos , eventuell, wenn die Franzosen angegriffen würden, ihnenbeispringen zu müssen. Diese Sorge werde er in London zerstreuen. Ichsetzte hinzu, er möge doch sofort dahin wirken, daß die Preßhetze in Paris eingestellt werde, denn, wenn wir auch die besten Absichten hätten undloyal sein und friedlich bleiben wollten, so sei doch die Gefahr nicht aus-geschlossen, daß bei fortgesetztem Aufputschen der Franzosen seitensLondons diese schließlich, im Vertrauen auf die ihnen sichere englische HUfe, uns gegenüber dergestalt ungezogen, renitent und provokant auf-treten würden, bis endlich die nationale Ehre ins Spiel komme und dieserzuliebe die Waffen angerufen werden müßten. Dann müßten wir losschlagen,und damit wäre der Grund für Englands Mithilfe gegeben, i. e. der ,un-rechtmäßige Überfall' von uns auf Frankreich . Und das sei eine ungeheuer-liche Perfidie, auf so etwas hinzuarbeiten. Herr Beit sagte sofort, das sollund darf unter keinen Umständen geschehen. ,Ich werde in London sagen:man wünsche in Berlin nur eines, London möge Paris endlich mal in Friedenlassen, damit Paris mit Berlin sich vertragen und einen Modus vivendifinden könne. England habe von Berlin ungestört seine Entente cordialemit Frankreich gemacht, nun dürfe es aber auch anstandshalber keineSchwierigkeiten Deutschland in den Weg legen, wenn es auch mit Frank-reich zu einer ebensolchen Entente kommen wolle. Im Gegenteil, London müsse Berlin dazu beistehen und in Paris zureden.' Was seine obigen Aus-lassungen über die Friedensliebe der Regierung beträfe, müsse er noch eineErgänzung machen. Ein einziger sei nämlich vorhanden, der wolle denKrieg, habe ihn bis ins Detail vorbereitet und hetze dazu. Das sei derAdmiral Sir John Fisher. Der habe neulich noch gesagt: ,We are now quiteready and as powerful as possible, the Germans are not yet ready and areweak, now is the time for us, let us hit them on the head.' Ich erwiderte,das hätte Ich von Sir John Fisher als selbstverständlich vorausgesetzt unddementsprechend Meine Vorsichtsmaßregeln getroffen: alle Anordnungender britischen Flotte seit November 1904 seien für Mich nur Mobilmachungs-und Kriegsvorbereitungen gewesen und als solche eskomptiert worden.,Nun', erwiderte Herr Beit, ,lassen Sie sich das nicht weiter zu Herzengehen, Fisher ist ein Hitzkopf, hat aber politisch nichts zu sagen und mußsich der Regierung fügen. Auch wenn Admirale nach Tisch Reden halten,nehmen Sie das nicht zu ernst, wie z. B. mit der lächerlichen Drohung derLandung von 100000 bei Ihnen, das ist ja Unsinn und zu dumm!' Ich er-klärte darauf, das sei gar kein Unsinn, sondern bei dem kolossalen numeri-schen Übergewicht der englischen Flotte gut ausführbar, und zwar inDänemark , da, wo die britische Flotte in diesem Sommer rekognoszierthätte. ,So?' sagte Herr Beit. ,Das ist möglich? Ja, aber wenn sie an Landgekommen sind, dann schlagen Sie sie alle tot!' Darauf erwiderte Ich: