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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DER CASUS FOEDERIS

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,Das ist wieder etwas ganz anderes, und das ist lediglich unsere Sache!'Er wollte vor Lachen platzen. ,Nun' so schieden wir ,machen Sie,daß Sie mit den Franzosen ins reine kommen über Marokko , so werden Siemit England keine Schwierigkeiten mehr haben. Ich werde für die nötigeAufklärung in London sorgen.' ,Nehmen Sie nur unsere Hauptgegner aufsKorn dort', sagte Ich, ,nämlich Herrn Moberly-Bell und Mr. Harmsworth,den H. M. jetzt zum Lord macht!' ,Ja', sagte Beit, ,und noch einen, dersehr übel ist, das ist Mr. Saunders, Times-Korrespondent in Berlin ; derhat jetzt eben vor kurzem nach London telegraphiert, daß er aus sicherer,einwandfreier Quelle wisse, daß binnen zwei Monaten also EndeFebruar der Krieg erklärt werden solle von hier!!!',That is afat lie and a good one.' Die Konversation mit Herrn Beit hat Materialzutage gefördert, das sehr wichtig ist. Einmal, daß in der MarokkosacheEngland und Frankreich wie zwei Verbündete handeln werden. Daß Fisherbrennend gern die Gelegenheit benutzen möchte, unsere See- und Handels-marine bei dieser Gelegenheit zu vernichten. Daß zu diesem Zweck diefremde Pariser Presse mit englischem Privatkapital auf das schärfstebearbeitet wird, um die Gallier möglichst mutig zu machen und dazu zubringen, uns zu provozieren, um den Casus foederis zu haben. Daß es ganzrichtig von unserem Admiralstabschef geurteilt und gesehen war, als dieim vorigen November 1904 begonnenen Marineveränderungen für Kriegs-vorbereitungen und nicht bloß gewöhnliche Dislokationen angesehen wur-den. Daß die Berichte über die Stimmung in Paris vollkommen richtigsind, die Gallier zum Kampf entschlossen, wenn auch schweren Herzensso doch geschlossen und fest geschart hinter ihrer Regierung stehen undtatsächlich eine Menge Kriegs Vorbereitungen gemacht haben und nochmachen, wodurch sie eine Überraschung ausschließen und den Ein-fall bedeutend erschweren werden. Daß der von Saunders nach London telegraphierte, wenn auch fingierte Termin in London und Paris als echtangenommen wird, das geht daraus hervor, daß England einen Beobach-tungskreuzer nach Kiel schickt, um zu sehen, ob wir schon in der heimlichenMobilmachungsvorbereitung sind, und die Gallier jetzt noch einen Kreuzernach Kopenhagen schicken, um zu beobachten, ob in Dänemark Abwehr-maßregeln von dort oder von uns vorbereitet werden. Damit stimmt fernerüberein die Neuformation soeben beendet des englischen Nordsee-Lastern Squadron) Geschwaders 6 Linienschiffe, 5 Kreuzer und diezu Anfang Februar befohlene Konzentration der gesamten englischenSeestreitkräfte 33 Linienschiffe, 25 Panzerkreuzer an der portu-giesischen Küste. Idest: 1. Kanalflotte mit 11 Linienschiffen und einerKreuzerdivision, 2. Atlantic-Flotte mit 8 Linienschiffen und einer Kreuzer-division, 3. Nordsee-Geschwader mit 6 Linienschiffen und einer

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