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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DER SCHOKOLADENFABRIKANT MENIER

ihm während seiner Tätigkeit als Regierungspräsident in Bromberg dieGefährlichkeit der polnischen Propaganda für Monarchie und Reich viel zusehr zum Bewußtsein gekommen wäre, als daß er je ernstlich an eine solcheTollheit" wie die Wiedererweckung von Polen denken könne. BethmannHollweg hat auch in der Tat seitdem und bis zu meinem Rücktritt als preu-ßischer Minister wie als Staatssekretär des Innern im Reich mir gegenüberden strammen Hakatisten gespielt. Er plädierte sogar mit Eifer für die Ent-eignungsnovelle, die mir große Bedenken einflößte. Bald nach meinemRücktritt erwiderte er als Reichskanzler auf eine Anfrage des Ostmarken-vereins , ob unter ihm der alte Kurs in der Ostmarkenfrage beibehaltenwerden würde, mit einem pathetischenNunquam retrorsum!" Nicht langenachher fing er an, in der Ostmarkenfrage zu schwanken und zu lavieren,um 1914, seit Beginn des Weltkriegs allmählich die Wiederaufrichtung vonPolen anzubahnen, anfänglich mehr im stillen und versteckt, dann auchin seinen Reden und in Verhandlungen mit Wien , trotz aller Warnungenund trotz des lebhaften Widerspruchs des preußischen Staatsministeriums.Wie mit dem unsinnigen Ultimatum an Serbien , so bleibt auch mit demzweitgrößten Fehler unserer Geschichte, der Wiedererrichtung von Polen ,der Name Theobald von Bethmann Hollweg für immer verknüpft.

Der Jachtbesitzer Menier, der französische Schokoladenfabrikant, solltemir im Juni 1909 in Kiel begegnen, wo er mit seiner Jacht an der KielerWoche teilnahm. Es war an Bord dieser Jacht, bei einem von den Franzosengegebenen Frühstück, daß ich an dem Tage, an dem ich meinen Abschiederbat, zum letztenmal auf dem Meer mit Wilhelm II. zusammentraf.

Ich bemühte mich während meines Urlaubs von 1906 auch brieflich,Brief der <i as noch immer gereizte und unfreundliche Verhältnis zwischen dem Kaiserund seinem Onkel, dem König von England, zu entgiften, was mir um sogebotener erschien, als in den politischen Beziehungen zwischen den beidenVölkern eine entschiedene Besserung eingetreten war. Leider wurden meineständigen Bemühungen in dieser Richtung von der sonst gütigen und ver-ständigen Kaiserin mehr gehemmt als unterstützt. Sie schrieb mir nachNorderney Ende Juli 1906:Lieber Fürst! Entschuldigen Sie, bitte,wenn ich schon wieder Ihre Norderneyer Ruhe durch diese Zeilen störe.Ich erhielt nämlich heute ein Telegramm vom Kaiser, in welchem er mirmitteilt, daß der König von England ihm einen Besuch machen werde,und zwar in Friedrichshof. Bei der Abreise sagte mir der Kaiser, wenn derKönig ihn besuchen wolle, könne er ja zu ihm kommen, nach Potsdam, Wilhelmshöhe oder Homburg. Nun plötzlich soll es wieder in Friedrichshofsein, dem Landsitz der hessischen Prinzeß, nicht einmal im eigenenSchloß des Kaisers! Das finde ich doch eine etwas unglückliche Idee. Wiedenken Sie darüber? Meiner Ansicht nach muß der König nach allem, was

Kaiserin anBülotv