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UNVERANTWORTLICHE SCHWÄTZER
Majestät zu sein, das Nachstehende geschrieben: „Sehr dankbar wäre ichIhnen und meine, Sie würden sich ein Verdienst um das Vaterland erwer-ben, wenn Sie S. M. von sich aus, ohne Bezugnahme auf mich, daraufaufmerksam machen wollten, daß das ewige Schimpfen und Aufreizen gegendas Zentrum zu nichts führt. Ich bin gewiß ein guter Protestant, aber poli-tisch kann mit Erregung, Erbitterung und derartigen Gefühlen nichtsgemacht werden. Sie könnten S. M. darauf hinweisen, daß jede Partei,welche die Mehrheit habe und daher ausschlaggebend sei, das Bestrebenhätte, sich der Regierung unangenehm zu machen, schon um den Wählernihre Unabhängigkeit zu zeigen, da sie sonst bei ihnen an Boden zu verlierenfürchte. Das ist ja eine der Grundregeln der deutschen Fraktionspolitik undparteipolitischen Kunst. Die Konservativen des Abgeordnetenhauses habensich in der Kanalfrage störrischer gezeigt und größere Krisen herbeigeführtals das Zentrum in der nicht so wichtigen Kolonialfrage. Die National-liberalen haben, als sie in den siebziger Jahren die Mehrheit hatten, demFürsten Bismarck fortwährend Steine in den Weg gerollt. Welche Parteiauch immer die Mehrheit hat — und ob nun das Parlament aus dem allge-meinen Stimmrecht, aus indirekten Wahlen oder aus ständischer Ver-tretung hervorgegangen ist —, wird die Tendenz haben, der Regierungihren Willen zu zeigen. Wenn daher unverantwortliche Ratgeber S. M.gegen das Zentrum hetzen, so machen sie sich die Folge einer solchenHandlungsweise nicht klar. Gewiß, wenn es sich um die Einheit Deutsch-lands , um die Wehrhaftigkeit und Sicherheit des Reichs handelt, mußjeder Konflikt durchgekämpft werden, es koste, was es wolle. Aber einsolcher Konflikt darf nicht leichtsinnig heraufbeschworen werden. In derPolitik kommt es darauf an, de donner aux choses leur juste valeur. Eskommt vor allem darauf an, den richtigen Augenblick beim Schopf zunehmen. Es kommt auch darauf an, sich nicht von unverantwortlichenund unwissenden Schwätzern impressionieren zu lassen."
Mehr Eindruck als die wechselnden Stimmungen Seiner Majestät hattemir das gemacht, was mir mein alter Freund, der ZentrumsabgeordnetePrinz Arenberg, sagte, als er mich im Hochsommer 1906 in Norderney besuchte. Auf einem Spaziergang nach dem Leuchtturm eröffnete er mir,daß er sich entschlossen habe, sich bei den nächsten Wahlen, also 1908,nicht wieder aufstellen zu lassen. Ich erwiderte, daß ich das tief bedauernwürde. Er habe sich als ständiger Referent für den Etat des AuswärtigenAmts hochverdient gemacht. Er sei das Bindeglied zwischen mir und demZentrum und habe stets ausgleichend gewirkt. Davon abgesehen, würde esmir sehr schmerzlich sein, ihn nicht mehr mir gegenüber auf seinem gewohn-ten Platze zu sehen. „Max, bleibe bei mir, geh nicht von mir, Max!" riefich ihm zu. Er erwiderte, daß gerade seine Freundschaft und Liebe für