TOD FRANZ ARENBERGS
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mich in ihm den Gedanken hervorgerufen hätten, aus dem politischen Lebenauszuscheiden. Er sehe voraus, daß es in absehbarer Zeit zu einem Konfliktzwischen seiner Partei und mir kommen würde, und einer solchen für ihnpeinlichen Situation möge und wolle er sich nicht aussetzen. Seine Befürch-tungen und Sorgen waren mir unverständlich. Ich wies auf meine fast zehn-jährige Zusammenarbeit mit dem Zentrum hin, bei der sich beide Teile gutgestanden hätten. Ohne Ruhmredigkeit könne ich daran erinnern, daßkürzlich nach der Annahme der Schulvorlage der preußische Episkopat mirdurch den Kardinal Kopp seine Zufriedenheit und seinen Dank hätte aus-sprechen lassen und nur deshalb seinen Gefühlen nicht öffentlichen Aus-druck gegeben habe, um mich nicht Verdächtigungen und Angriffen vonder anderen Seite auszusetzen. „Gerade weil meine Fraktion saturiert ist,wird sie übermütig werden", replizierte Arenberg. Einen Kampf seinerFraktion, mit der ihn tief gewurzelte Uberzeugungen und Gefühle verbän-den, gegen seinen besten Freund wolle er nicht mitmachen und sich deshalbrechtzeitig au6 der politischen Arena zurückziehen. Auch in wiederholtenGesprächen gelang es mir nicht, Arenberg umzustimmen. Bei seiner Abreisebegleitete ich ihn an den Landungssteg. Es war das letztemal, daß ichmeinen lieben, guten Fran^ois in diesem Leben sah. Er erkrankte nichtlange nachher an einem schweren inneren Leiden auf dem Schlosse Peschin der Rheinprovinz , wo er zum Besuch bei seinem Bruder Jean weilte.Er mußte sich unter qualvollen Schmerzen legen, um nicht wieder aufzu-stehen. Mögen wir uns einst dort wiedersehen, wo es keine Erbärmlich-keiten und Kleinlichkeiten, keine Bosheiten und Gehässigkeiten mehr gibt.
Wenn ich einst von jenem Schlummer,Welcher Tod heißt, aufersteh'Und. befreit von jedem Kummer,Jenen schönen Morgen seh' —Oh, dann wach' ich anders auf,Schon am Ziel ist dann mein Lauf.Träume sind des Pilgers Sorgen,Großer Tag, an deinem Morgen.
Am 13. November 1906 eröffnete der Reichstag wieder seine Sitzungen.Auf den nächsten Tag war die Beratung einer von dem Abgeordneten DeutschlandBassermann über auswärtige Politik eingebrachten Interpellation ange- und Rußland setzt. Es war mir erwünscht, bei diesem Anlaß nicht nur dem Reichstag und dem deutschen Volk ein Bild unserer Gesamtlage zu geben, sondernauch manches zu sagen, was in Paris wie in Wien, in London wie in St. Pe-tersburg nützlich wirken konnte. Metternich hatte mir aus London ge-schrieben, daß sein russischer Kollege Graf Benckendorff kürzlich in Paris
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