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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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BRIEFE , TELEGRAMME

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Kanzel der Dreifaltigkeitskirche, zu deren Sprengel das Reichskanzlerpalaisgehört, Lahusen, mit dem ich zweiunddreißig Jahre früher in Rom unterdem deutschen Weihnachtsbaum im Paiazzo Caffarelli gestanden hatte,er als Geistlicher der dortigen kleinen evangelischen Gemeinde, ich alsAttache der Botschaft, telegraphierte mir:Eure Durchlaucht wollen mirgestatten, daß auch aus der Mitte der Kirchengemeinde heraus jubelndeZustimmung und heißer Dank ausgesprochen werde für die befreiende Tat.Gott stärke Eure Durchlaucht für das schwere Werk und sei Ihnen undunserem deutschen Volk, was die Losung des heutigen Tages sagt, Burgund Schild." Diese LosungHerr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter,mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild" (Psalm 18, 3) warauch mir eine Stärkung gewesen.

Es ging eine gewaltige Bewegung durch das deutsche Volk, die in vielenHunderten von Briefen, Telegrammen und Schreiben an mich, auch invielen Blumenspenden zum Ausdruck kam. Unter den mir zugehendenVersen waren auch solche, die zwar nicht an die Schönheit der Strophen indem herrlichenMeister von Palmyra" meines Dichter-Freundes Wil-brandt heranreichten, aber gut gemeint waren. Ich führe als Zeichen derdamaligen Zeit nur die nachstehenden Verse an:

Das war mal recht! hör' ich's das Land durchdröhnen.Wer fordert Frucht vom ungedüngten Feld?Oh Grimm, ob Haß, ob Neid ihn bitter höhnen,So bleibt doch fest der sturmerprobte Held.

Erworbene Rechte werden wir uns wahren.Nie kann sich Licht dem Blinden offenbaren.So war es recht! Es sollen nicht verzagenDie Treuen , die voll Tapferkeit gekämpft.

Auch künftig soll der Feind es nimmer wagen,Die Flamm' zu schüren, die wir kaum gedämpft.Die Kolonien wollen wir behaltenUnd sie voll Lust nach unserm Sinn gestalten.

So war es recht! Wir lassen uns nicht rauben,Was deutsche Kraft dem Vaterland erwarb.Wir halten fest an unserm alten Glauben,Daß deutscher Opfermut noch nicht erstarb.

Den Sohn der Niederelbe erfreute das plattdeutsche Telegramm, dasmir Oldenburger Verehrer sandten:

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