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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DIE BLOCKPOLITIK

im Reichstag geschrieben hatte:Your Majesty, If anything in the worldcan conduce to peace and harmony, sound sense and great ability ofStatement, the speach of Prince Bülow on foreign policy in my humbleopinion is the finest piece of rhetoric and absolutely sound judgement it ispossible to conceive. I write as humble individual, but I hope, I aspire tocommon sense. But as an Englishman all I say is, that his Statement shouldbe accepted throughout the world as a master-piece of sound reasoning . Henot only shows his patriotism as his first duty, but holds out the olive branchof peace to the world, in the most graceful manner. I hope that individualsof other countries besides my own will note the greatness of Your Majesty'sChancellor. Your most obedient servant V. A. Montagu."

Das Jahr 1907 brachte zwei bedeutungsvolle Wechsel im Reich und inFür Preußen . Bei aller Wertschätzung der eminenten Kenntnisse und derPosadowsky Arbeitskraft des Grafen Posadowsky mußte ich mich, nachdem ich michlethmann^ einmal für die, nicht von mir aber von anderen,Blockpolitik" getaufteTschirschky Richtung entschieden hatte, die ich lieber als eine besonnene und allmäh-Schön liehe Überleitung zu einem liberaleren inneren System und einer stärkerenund häufigeren Heranziehung parlamentarischer Kräfte in die Regierungbezeichnen möchte, von einem Mitarbeiter trennen, der dieser Wendunginnerlich widerstrebte. Ich ersetzte Posadowsky durch Bethmann, derseinem Vorgänger in vieler Hinsicht nicht gewachsen war, von dem ichaber sicher sein konnte, daß er, so lange ich Reichskanzler war, um mitBismarck zu reden, einschwenken würde wie ein Unteroffizier. PreußischerMinister des Innern wurde der Bruder des Generalstabschefs, der Ober-präsident von Ostpreußen, Friedrich von Moltke , um vier Jahre jünger alsjener, an gutem Willen und Lauterkeit des Wesens ihm ähnlich. Ich sorgtedafür, daß Seine Majestät der Kaiser den hochverdienten Grafen Posa-dowsky durch ein für ihn in hohem Grade ehrenvolles Handschreiben unddurch die Übersendung seiner Büste in Marmor wie durch die ausdrücklicheVersicherung seines unveränderten Wohlwollens beglückte. Auch der vor-treffliche Kultusminister Studt trat zurück, weniger unter dem Eindruckder von liberaler Seite gegen ihn gerichteten Angriffe als im Hinblick aufKränklichkeit und hohes Alter. Er wurde ins Herrenhaus berufen und gleich-zeitig mit einem besonders gnädigen Handschreiben ausgezeichnet. Vor-greifend möchte ich jetzt schon erwähnen, daß im Herbst 1907 auch imauswärtigen Dienst bedeutungsvolle Wechsel stattfanden. Der mir vonSeiner Majestät mehr oder weniger aufgedrängte Staatssekretär des ÄußernTschirschky zeigte sich seiner Aufgabe, das Amt zu leiten und mich imVerkehr mit den Diplomaten zu entlasten, in keiner Weise gewachsen. Erwar innerlich hochmütig, äußerlich steif und hölzern, Pessimist, immer derdocteur tant pis", um mit Lafontaine zu sprechen, sehr empfindlich, allzu