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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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Völkern. An diesem Standpunkt halte ich auch heute noch fest. Fernermüssen wir in der Erkenntnis, daß es die Furcht vor unserer Stärke ist,die andere Mächte davon abhält, über uns herzufallen, unsere militärischeRüstung zu Wasser und zu Lande so achtunggebietend wie möglichgestalten. Mißstimmung, die dadurch anderwärts entsteht, müssen wirgelassen in Kauf nehmen, ohne darüber Erregung zu zeigen. Vereinbarun-gen, die auf eine Einschränkung unserer Wehrmacht hinauslaufen, sindfür uns unter keinen Umständen diskutierbar. Eine Macht, die uns zu einersolchen Vereinbarung auffordert, möge sich darüber klar sein, daß einesolche Aufforderung den Krieg mit uns bedeutet. Neben der militärischendürfen wir aber auch nicht die finanzielle und wirtschaftliche Rüstung ver-nachlässigen. Es ist auch vom Standpunkt unserer auswärtigen Politik,d. h. im Interesse der Wahrung des Friedens und unserer Weltstellung,unumgänglich, unsere öffentlichen Finanzen, deren heutiger Zustand demAuslande fortgesetzt zu übelwollender Anzweiflung unserer wirtschaft-lichen und damit auch unserer pohtischen Widerstandskraft Anlaß bietet,ohne Zögern und unter Hintansetzung ängstlicher Bedenken und Rück-sichten auf Sonderinteressen einzelner Berufs- oder Bevölkerungsklassenauf eine gesunde und für lange hinaus genügende Basis zubringen. Wie eine vielfältige Erfahrung lehrt, ist ein gutes Teil der Miß-stimmung, die das Ausland gegen uns hegt und in politische Aktion umzu-setzen strebt, auf Manifestationen unserer Presse und öffentlichen Meinungzurückzuführen, in denen auf Denkweise und Stimmung anderer Nationenkeine hinreichende Rücksicht genommen wird. Deshalb ist es erforderlich,daß bei der konsequenten Verfolgung unserer oben bezeichneten Aufgabenruhig und möglichst geräuschlos verfahren wird. Die bessere Züge-lung einer manchmal bemerkbaren herausfordernden und andere Nationenohne Not verletzenden Ruhmredigkeit in unserer Presse und in öffentlichenVersammlungen ist eine wesentliche Vorbedingung für die Durchführungeiner kühlen und vorsichtigen, dabei aber entschlossenen Politik, wie sieuns die derzeitige internationale Gestaltung auferlegt. Behalten wir anderer-seits die vorbezeichneten Gesichtspunkte als Richtschnur gewissenhaft imAuge, so werden wir getrost und ohne Furcht in die Zukunft sehen dürfen.Solange Deutschland fest, einig und mutig bleibt, stellt es eine gewaltigeVolkskraft und eine große militärische Kraft dar, an die sich andere nichtso leicht heranwagen werden. Deutschland und Österreich -Ungam bildeneinen starken Block, der allen Stürmen Trotz zu bieten vermag. Ihr aufInteressensolidarität und gemeinsamer Hochhaltung des monarchischenStaatsgedankens beruhender Bund ist für die beiden Monarchien die besteSicherheit gegen andere, vielfach von revolutionären Bestrebungen undautoritätsfeindlichen Ideen angefressene Mächte. Treues Zusammenstehen