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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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DER ARTIKEL DESDAILY TELEGRAPH "

Verdrehung seiner wiederholten Freundschaftsanerbieten an die Engländerdurch einen Teil der englischen Presse als persönliche Kränkung empfinde.Eine solche Haltung der englischen Presse mache seine ohnehin nicht leichteAufgabe als Herrscher zu einer unsäglich schwierigen. Bedenklicher und garzu naiv war das Eingeständnis des Kaisers, daß die in weiten Kreisen dermittleren und unteren Klassen des deutschen Volks gegenüber England herrschende Gesinnung keineswegs eine freundschaftliche für England sei. Er spreche nur im Namen der Minorität in seinem eigenen Lande,aber es sei eine Minorität aus den besten Elementen, wie dies auch in Eng-land mit Bezug auf Deutschland der Fall sei. Das sei ein weiterer Grund,weshalb es der Kaiser sehr übel vermerke, daß die Engländer sich weigerten,sein verpfändetes Wort, Er sei der beste Freund Englands , gläubig hinzu-nehmen. Er strebe trotzdem nach wie vor unablässig danach, die Bezie-hungen zu England zu verbessern.

Nun folgten die drei Horrenda: 1. Der Kaiser habe die Aufforderung derrussischen und der französischen Begierung, sich mit ihnen zu vereinigen,um die Burenrepubliken zu retten und England bis in den Staub zudemütigen", nicht nur mit dem Hinweis darauf abgewiesen, daß Deutsch-land es niemals auf einen Streit mit einer Seemacht wie England ankommenlassen könne, sondern er habe den genauen Wortlaut der vertraulichenfranzösischen und russischen Noten und seine Antwort auf die besagtenNoten der Königin von England sofort mitgeteilt, die diese Schriftstückein den Archiven von Windsor Castle deponiert habe. 2. Er habe im De-zember 1899, in der für England düstersten Periode des Südafrikanischen Krieges, nicht allein seiner Großmama seine tiefe und herzliche Teilnahmeausgedrückt, sondern er habe durch einen deutschen Offizier einen ganzgenauen Bericht über die Zahl der Kämpfenden auf beiden Seiten und überdie Stellung der in Südafrika einander gegenüberstehenden Streitkräfteaufsetzen lassen. Nach diesen Plänen habe der Kaiser den nach seiner An-sicht besten Feldzugsplan für die Engländer ausgearbeitet, diesen seinenPlan von dem deutschen Generalstab revidieren lassen und ihn dann nachEngland geschickt, wo sich derselbe gleichfalls unter den Staatspapierenin Windsor Castle befinde. Es seiein merkwürdiges Zusammentreffen",daß der vom Kaiser ausgearbeitete Plan demjenigen sehr nahekomme, derwirklich von Lord Boberts angenommen und von ihm glücklich ausgeführtworden wäre. Mit anderen Worten: Eigentlich habe nicht Lord Boberts,wie bisher angenommen wurde, sondern Wilhelm IL die Buren besiegt undvernichtet. 3. Deutschland baue seine Flotte gar nicht gegen England ,sondern für den Fernen Osten und den Stillen Ozean. Das war natürlich aufdie Japaner gemünzt, denen angekündigt wurde, daß Deutschland sie einesschönen Tages Arm in Arm mit England bekriegen könnte.