Der Deutsche Kaiser und England
Persönliches Interview
Offene Darlegung der Weltpolitik
Freundschaftsbeweise
Wir haben die folgende Mitteilung aus einer Quelle von so unantastbarerAutorität erhalten, daß wir ohne Zögern die deutliche Kundgebung, die sie ent-hält, der öffentlichen Aufmerksamkeit empfehlen.
Diskretion ist die erste und letzte Eigenschaft, die man von einem Diplomatenverlangt, und sollte auch von denen noch beobachtet werden, die, wie ich selbst,längst aus dem öffentlichen Leben in das Privatleben übergegangen sind. Dennochgibt es manchmal in der Geschichte der Nationen Augenblicke, in denen eineberechnete Indiskretion einen außerordentlichen Dienst der Öffentlichkeit gegen-über bedeutet. Deshalb habe ich mich entschlossen, die Grundgedanken einerlängeren Unterredung bekanntzugeben, die mit Seiner Majestät dem DeutschenKaiser zu führen ich unlängst den Vorzug hatte. Ich tue es in der Hoffnung, daß esdazu beitragen mag, das hartnäckige Mißverständnis über die Art der Gefühledes Kaisers für England zu beseitigen, das, so fürchte ich, tief in der Brust desDurchschnittsengländers wurzelt. Es ist der aufrichtige Wunsch des Kaisers, daßdieses Mißverständnis ausgerottet werde. Er hat das wiederholt in Wort und Tatbewiesen. Aber, um es freiheraus zu sagen, seine Geduld wird hart auf die Probegestellt, da er sich so fortdauernd mißverstanden findet und so oft den Schmerzerfahren hat, zu finden, daß auf jede vorübergehende Besserung der Beziehungenerneute Ausbrüche des Vorurteils folgen und eine schnelle Rückkehr zu der altenargwöhnischen Gesinnung.
Wie ich bemerkte, ehrte mich Seine Majestät durch eine lange Unterredungund sprach mit impulsivem, ungewöhnlichem Freimut. „Ihr Engländer", sagte er,„seid verrückt, verrückt, verrückt wie Märzhasen. Was ist über euch gekommen,daß ihr euch so völlig einem Argwohn überlassen habt, der einer großen Nationganz unwürdig ist ? Was kann ich mehr tun, als ich schon getan habe ? Ich habemit allem Nachdruck, der mir zu Gebote steht, in meiner Rede in der Guildhallerklärt, daß das Ziel meines Herzens der Friede ist und einer der mir teuerstenWünsche, in den besten Beziehungen zu England zu leben. Habe ich jemals meinWort nicht gehalten ? Falschheit und Ränke sind meiner Natur immer fremdgewesen. Meine Taten sollten für sich sprechen, aber Sie hören nicht auf sie,sondern auf diejenigen, die sie mißverstehen und entstellen. Das ist eine persön-liche Kränkung, die ich fühle und die mir nachgeht. Immer mißverstanden zuwerden, zu sehen, wie meine wiederholten Freundschaftsangebote mit arg-