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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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Antwort. Ich tat mehr. Ich ließ mir durch einen meiner Offiziere einen möglichstgenauen Bericht über die Zahl der Kämpfer auf beiden Seiten in Südafrika undüber die momentane Stellung der einander gegenüberstehenden Streitkräfte be-schaffen. Mit den Zeichnungen vor mir, arbeitete ich den Plan aus, der mir unterdiesen Umständen der beste schien, und legte ihn meinem Generalstab zur Kritikvor. Dann sandte ich ihn eiligst nach England , und auch dieses Dokument liegtin Windsor unter den Staatspapieren und erwartet den ruhigen und unpartei-ischen Spruch der Geschichte. Als merkwürdiges Zusammentreffen lassen Sie michhinzufügen, daß der von mir aufgestellte Plan dem sehr nahekam, der wirklichvon Lord Roberts angenommen und von ihm erfolgreich ausgeführt wurde. Wardas, wiederhole ich, die Handlungsweise eines, der England übelwollte ? LassenSie die Engländer gerecht sein und es sagen!

Aber, werden Sie fragen, was ist mit der deutschen Flotte ? Sicherlich ist sieeine Drohung für England! Gegen wen anders als gegen England werden meineGeschwader gerüstet ? Wenn die Deutschen , die sich anstrengen, eine mächtigeFlotte zu schaffen, nicht an England denken, warum wird von Deutschland ver-langt, daß es in solche neue und schwere Steuerlasten willigt ? Meine Antwort istklar. Deutschland ist ein junges, wachsendes Reich. Es hat einen weltweiten,schnell sich ausdehnenden Handel, und der berechtigte Ehrgeiz der patriotischenDeutschen weigert sich, diesem irgendwelche Grenzen zu setzen. Deutschland muß eine mächtige Flotte haben, um diesen Handel und seine mannigfaltigenInteressen auch in den entferntesten Meeren zu schützen. Es erwartet, daß dieseInteressen sich noch ausbreiten, und muß fähig sein, sie in jedem Teil des Erdballsmännlich zu verteidigen. Deutschland schaut vorwärts. Seine Horizonte er-strecken sich in die Weite. Es muß für alle Eventualitäten im Fernen Osten ge-rüstet sein. Wer kann voraussehen, was in kommenden Tagen im Stillen Ozeangeschehen kann, in Tagen, die nicht so fern sind, wie manche glauben, Tagenjedoch, auf die jedenfalls alle europäischen Mächte mit Interessen im FernenOsten ständig sich vorbereiten sollten ? Blicken Sie auf den vollzogenen AufstiegJapans ; denken Sie an die Möglichkeit des nationalen Erwachens von China; unddann erwägen Sie die ungeheuren Probleme des Stillen Ozeans . Nur die Stimmederjenigen Mächte, die große Flotten haben, wird mit Achtung gehört werden,wenn die Frage der Zukunft des Stillen Ozeans zu lösen sein wird; und deshalballein muß Deutschland eine starke Flotte haben. Vielleicht wird England sogarfroh sein, daß Deutschland eine Flotte hat, wenn sie gemeinsam auf derselbenSeite in den großen Debatten der Zukunft ihre Stimme erheben."

Dies war der Inhalt des Gesprächs mit dem Kaiser. Er sprach mit allem Ernst,der für ihn charakteristisch ist, wenn er über tief erwogene Fragen spricht. Ichmöchte meine Landsleute, die die Sache des Friedens überprüfen, bitten, was ichgeschrieben habe, zu beurteilen und nötigenfalls ihre Meinung über den Kaiserund seine Freundschaft für England auf Grund der eignen Worte Seiner Majestätzu revidieren. Hätten sie wie ich sich des Vorzugs erfreut, zu hören, wie er dieseWorte sprach, so würden sie nicht länger an dem festen Wunsch Seiner Majestät,in den besten Beziehungen zu England zu leben, zweifeln und auch nicht anseiner wachsenden Ungeduld über das fortdauernde Mißtrauen, mit dem seinFreundschaftsangebot so oft aufgenommen wurde.