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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
Entstehung
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Ich hielt Seiner Majestät vor, ein wichtiger und einflußreicher Teil der deut-schen Presse habe das Vorgehen der deutschen Regierung ganz anders ausgelegtund es deshalb überschwenglich gebilligt, weil diese Blätter darin eine starke Tatstatt bloßer Worte sähen und ein entscheidendes Zeichen, daß Deutschland noch-mals in den Gang der Ereignisse in Marokko einzugreifen im Begriff sei.Esgibt", entgegnete der Kaiser,Unheilstifter in beiden Ländern. Ich will ihreFähigkeit, falsch darzustellen, nicht gegeneinander abwägen. Aber die Tatsachensind so, wie ich festgestellt habe. Nichts in Deutschlands neuerlichem Vorgehen inMarokko steht in Gegensatz zu der ausdrücklichen Erklärung meiner Friedenshebe,wie ich in der Guildhall und in meiner letzten Rede in Straßburg sie gegeben habe."

Seine Majestät ging dann nochmals auf den Punkt ein, der ihn am meistenbeschäftigt, auf die Beweise seiner Freundschaft für England .Ich habe mich",sagte er,auf die Reden bezogen, in denen ich, 'wie es ein Souverän irgend kann,meinen guten Willen verkündet habe. Aber da Handlungen lauter sprechen alsWorte, lassen Sie mich auch mich auf meine Handlungen beziehen. Im allgemeinenglaubt man in England, während der Dauer des Südafrikanischen Kriegs seiDeutschland feindlich gesinnt gewesen. Zweifellos war die öffentliche Meinung inDeutschland den Engländern feindlich bitter feindlich. Die Presse war feind-lich; die private Meinung war es. Aber wie ist es mit dem offiziellen Deutschland ?Lassen Sie meine Kritiker sich fragen, was die europäische Reise der Buren-Delegierten, die eine Intervention Europas zu erreichen strebten, zu einem plötz-lichen Stillstand und dann zu völligem Zusammenbruch gebracht hat ? Sie wurdenin Holland gefeiert; Frankreich bewillkommnete sie mit Begeisterung. Sie wolltennach Berlin kommen, wo das deutsche Volk sie mit Blumen bekränzt habenwürde. Aber als sie baten, von mir empfangen zu werden, habe ich das abgelehnt.Die Agitation war unmittelbar darauf tot, und die Delegierten kehrten mit leerenHänden zurück. Handelt, frage ich, so ein heimlicher Feind ?

Und ferner: Als der Kampf auf der Höhe war, wurde die deutsche Regierungvon denen Frankreichs und Rußlands eingeladen, sich mit ihnen zu verbindenund England aufzufordern, dem Krieg ein Ende zu machen. Der Moment, sosagten sie, sei da, nicht nur die Burenrepubliken zu retten, sondern England bisin den Staub zu demütigen. Was war meine Antwort ? Ich sagte, daß Deutschland ,weit entfernt davon, an irgendeinem verabredeten Vorgehen Europas zum Druckauf England und zu dessen Erniedrigung teilzunehmen, immer eine Politik ver-meiden müsse, die es in Verwicklungen mit einer Seemacht wie England bringenkönne. Die Nachwelt wird eines Tags den genauen Wortlaut des Telegrammses liegt jetzt in den Archiven des Windsor-Schlosses lesen können, worin ichden Souverän Englands von meiner Antwort an die Mächte, die damals es zustürzen suchten, unterrichtet habe. Engländer, die jetzt mich beleidigen, indemsie mein Wort anzweifeln, sollten wissen, wie ich in der Stunde ihres Mißgeschicksgehandelt habe.

Und das war nicht alles. Gerade während Ihrer schwarzen Woche, im Dezem-ber 1899, als ein Unglück nach dem andern in rascher Folge kam, empfing icheinen Brief von der Königin Victoria , meiner verehrten Großmutter, der in Sorgeund Kummer geschrieben war und deutliche Spuren der Angst trug, die an ihremGeist und an ihrer Gesundheit zehrte. Ich schickte ihr sofort eine mitfühlende