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EIN NEUER SKANDAL ERSTICKT
dagewesenen Schärfe zu verbreiten. Englische Blätter erklärten nach wievor, daß sie in den kaiserlichen Freundschaftsbeteuerungen für Groß-britannien lediglich eine wenig würdige Bemühung um die englische Gunstsähen. Im übrigen könnten die Auslassungen des Kaisers seinen Gegnernnur erwünscht sein: Frankreich und Rußland würden wegen seiner Mit-teilungen über ihre Interventionspläne im Burenkrieg jedes Vertrauen indie deutsche Diskretion verHeren. Japan werde aufs neue mißtrauischwerden. Die angebliche Ausarbeitung des Feldzugsplanes sei einfach un-glaublich, geradezu eine England von Wilhelm II. zugefügte Beleidigung.Wilhelm II. als der wahre Sieger im Burenkrieg wurde auch in kleinenenglischen Blättern verhöhnt. Gleichzeitig hieß es, daß Lord Roberts tiefbeleidigt wäre und nur mit Mühe davon abgehalten würde, den SchwarzenAdlerorden zurückzuschicken, den ihm sieben Jahre früher der Kaiser zumgroßen Unbehagen der damals burenfreundlichen deutschen öffentlichenMeinung verliehen hatte. Große französische Blätter ironisierten die per-sönliche Politik des Deutschen Kaisers als phantastische Romantik. InRußland erklärte das größte und einflußreichste russische Blatt, die „NowojeWremja", die Russen würden an diese Worte des Deutschen Kaisers nichtglauben, wenn sie nicht gedruckt vor ihnen lägen. Der Kaiser habe Ruß-land und Frankreich gegenüber „taktlos und perfide" gehandelt. Dieitalienische Presse fällte ebenso harte Urteile über die kaiserliche Politikund Regierungsweise: Wilhelm IL scheine es darauf anzulegen, dasDeutsche Reich mit aller Welt zu verfeinden. Die japanische Presse meinte,daß die Bemerkungen des Kaisers über den Fernen Osten nutzlos und schäd-lich seien. Die Japaner begriffen nicht, warum der Kaiser Vorbereitungengegen Japans Fortschritte und gegen Chinas Erwachen treffe.
Namentlich und vor allem auf England war die Wirkung der von Wil-Kaiserliches heim IL in England mit Engländern geführten Gespräche die eines Hagel-Interview mit Schlags im Frühsommer. Und sie wäre noch niederschmetternder geworden,wenn es mir nicht gelungen wäre, die in Amerika eben in Gang befindlicheVeröffentlichung eines Interviews zu verhindern, das Wilhelm II. demamerikanischen Journalisten Haie gewährt hatte und das in krassem Gegen-satz zu seinen Auslassungen in Highcliffe stand. Derselbe Kaiser, der in sostürmischer Weise England und die Engländer seiner treuen Freundschaftversichert hatte, sprach gegenüber dem Amerikaner gerade umgekehrt.Er hatte ihn vor der englischen Tücke und den feindlichen Absichten derEngländer gegen Amerika gewarnt und den Amerikanern geraten, beiDeutschland Schutz gegen das perfide Albion zu suchen. Es gelang, denwohlmeinenden Besitzer der amerikanischen Zeitschrift „Century Maga-zine", der dies Interview erworben hatte, zu bewegen, auf die Veröffent-lichung zu verzichten. Um dieselbe Zeit meldete mir der deutsche General-
kaner Haie