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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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EINVERSTANDEN WILHELM I. R."

Das ist ja wunderschön", meinte schon sichtlich erleichtert der Kaiser -Er schien aber immer noch zu erwarten, daß ich für mein Verbleihen imAmt noch eine ernste, böse Bedingung stellen würde.

Nach kurzem, von beiden Seiten beobachtetem Schweigen frug derKaiser, der offenbar diesen Punkt in seinem Innern schon eingehend er-wogen hatte:Verlangen Sie eine Proklamation an das Volk? Oder eineKabinettsorder an Sie und für Sie ? Ich bin zu allem bereit." Er sagte dasin liebenswürdigem Ton. Ich erwiderte, daß ich meinem allergnädigstenHerrn keinerlei Kapitulation oder gar ein unwürdiges Pater peccavi zu-muten würde. Ich schlüge vor, in derNorddeutschen Allgemeinen Zei-tung" zu sagen, daß Seine Majestät der Kaiser mir die Möglichkeit gebotenhätte, ihm die durch die Veröffentlichung desDaily Telegraph " hervor-gerufene Erregung zu schildern und meine Behandlung der Beichstags-interpellation zu motivieren. Im Anschluß hieran könne gesagt werden,daß der Kaiser die Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeitenim Beich und der Stetigkeit der Beichspolitik als seine Pflicht betrachteund mich nach wie vor mit seinem Vertrauen beehre. Ich hatte schon amvorhergehenden Tage einen in diesem Sinne gehaltenen Entwurf aufgesetzt,der wie folgt lautete:In der dem Beichskanzler gewährten Audienz hörteSeine Majestät der Kaiser und König einen mehrstündigen Vortrag desFürsten von Bülow. Der Beichskanzler schilderte die im Anschluß an dieVeröffentlichung des ,Daily Telegraph ' im deutschen Volk hervorgetreteneStimmung. Er erläuterte die Haltung, die er in den Verhandlungen desBeichstags über die Interpellationen eingenommen hatte. Seine Majestätnahm die Darlegungen und Erklärungen des Beichskanzlers mit großemErnst entgegen und gab Seinen Willen dahin kund: Unbeirrt durch die vonIhm als ungerecht empfundenen Übertreibungen der öffentlichen Kritik,erblicke Er Seine vornehmste Kaiserliche Aufgabe darin, die Stetigkeit derPolitik des Beichs unter Wahrung der verfassungsmäßigen Verantwort-lichkeiten zu sichern." Der Kaiser stimmte sofort zu und mit Empressement.Er schien geradezu erstaunt, so gut davonzukommen. Als ich ihm dasEntrefilet zum zweitenmal vorlas, fügte ich im ersten Absatz hinter demWortStimmung" noch die Worte ein:und deren Ursachen". Mit demvon mir vorgeschlagenen Schluß der Verlautbarung war der Kaiser nachseiner Versicherung besonders einverstanden. Er lautete:Demgemäßbilligte Seine Majestät der Kaiser und König die Ausführungen des Beichs-kanzlers im Beichstage und versicherte den Fürsten von Bülow Seines fort-dauernden Vertrauens." Der Kaiser bestand darauf, auf den Entwurf diesesArtikels seinEinverstanden Wilhelm I. B." zu setzen, obwohl ich dies fürnicht erforderlich erklärte.Ich bin ja mit jedem Wort einverstanden",meinte er,und das soll bei den Akten bleiben und in den Akten stehen."