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2 (1930) Von der Marokkokrise bis zum Abschied
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NICHT ZU SEHR PRAMPIEREN

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lächelnd,einen diplomatischen Erfolg gehabt, zu dem ich Ihnen persönlichgratuliere. Aus der bosnischen Schwierigkeit werden Sie wohl auch gutherauskommen." Indem er mich bei einem der Knöpfe meines Attilas faßte, fügte er lächelnd hinzu:Nun sorgen Sie dafür, daß Er damit nichtzu sehr prampiert." Dabei blickte der König auf seinen in einiger Ent-fernung stehenden Neffen, den Kaiser. Unser Gespräch wurde auf englisch geführt, für diese leise Warnung aber bediente sich der König des BerlinerAusdrucks: prampieren.

Am 10. Februar stattete König Eduard dem Bernner Rathaus einenBesuch ab. Der Kaiser war von dem Erscheinen seines Oheims imRotenHause" innerlich nicht besonders erbaut, erschien auch nicht zu dieserVeranstaltung. Der König ging gern auf meinen Vorschlag ein. Er gab sichim Kreise der Berliner Stadträte und Stadtverordneten viel ungezwungenerals bei dem Prunkmahl im Schloß. Er erschien heiter und freundlich, fastgemütlich im Gespräch mit den biederen Stadtvätern. Seine deutschenVettern in Koburg, Darmstadt oder Strelitz hätten in ihren Residenzennicht liebenswürdiger Cercle halten können. Auf die Ansprache des Ober-bürgermeisters Kürschner erwiderte der König kurz, aber mit lauterStimme und gutem Ausdruck:Ich danke Ihnen, daß Sie mir Gelegenheitgegeben haben, Ihnen meinen herzlichsten Dank für den schönen Empfangam gestrigen Tage aussprechen zu können, und daß ich Gelegenheit habe,dies schöne Rathaus zu sehen. Es freut mich sehr, wieder nach Berlin zu kommen. Mein größter Wunsch ist, daß die Beziehungen zwischen denbeiden Ländern immer die besten sein mögen." Die Ansprache wurde mitallgemeinem Bravo aufgenommen. Als die Musikvorträge begannen,forderte der König mich auf, neben ihm Platz zu nehmen.Very nice,very nice indeed", meinte er mehrfach zu mir.They seem to be very goodpeople and quite reasonable." Offenbar hatte ihm sein kaiserlicher Neffeeine abfällige Bemerkung über die Munizipalität der Haupt- und Residenz-stadt gemacht, auf die der Kaiser nicht gut zu sprechen war, da sie seinenpersönlichen Wünschen hinsichtlich der Verschönerung der Hauptstadtwiederholt Widerstand geleistet hatte und nach der Meinung des hohenHerrn überhaupt zum Frondieren neigte. Gegenüber dem König stand ander Wand eine größere Anzahl distinguierter Herren, die zu dem Rathaus-fest eingeladen worden waren. Als ich Seiner Majestät die Namen dieserHerren nannte, unter denen sich auch der Geheime Rat von Renversbefand, bat mich der König, sobald er den Namen des großen Arztes hörte,diesen heranzuwinken. Er sei sehr bewegt, fügte er hinzu, dem ausgezeichnetenArzt zu begegnen, der seiner geliebten ältesten Schwester, der KaiserinFriedrich , während ihrer schweren Krankheit so treu zur Seite gestandenhätte. Als Renvers sich dem König näherte, wiederholte ihm dieser mit